„Du bist was du isst!“ „Ich bin eine Banane?“

Eine Diskussion auf Twitter bringt mich dazu eine Blogbeitrag über Ernährung und Verbraucherbildung zu schreiben. Ursprung des ganzen war, dass ich seit einiger Zeit jeden Tag mein Smoothie-Rezept des Tages poste und am Ende eines Gesprächs Lainee meinte:

Glückskind ‏@lainee42
„Nahrungsumstellung ist auch ein Thema, was sehr emotional gehandelt wird. Warum nur? Weil es bedeutet, Altgewohntes für Neues aufzugeben?“

Es stimmt. Momentan schein es in meinem Umfeld zwei vorherrschende Extreme zu geben. Die einen leben Biologisch-Dynamisch-Vegan und die anderen Viel-Warm-Lecker. Um da gleich vornweg zu sagen: Natürlich gibt es auch ganz viele andere, die ihren Weg in der Mitte gefunden haben, aber da es sich hübschen mit Extremen argumentieren lässt nehme ich erstmal die 😉 Diese beiden Extreme spiegeln sich nämlich auch sehr schön in den momentan beworbenen Nahrungsprodukten.

Selbstverständlich kann sich jeder Mensch ernähren wie er will. Nur hat das was wir essen natürlich Auswirkungen auf unseren körperlichen Zustand.

Aber ist das wirklich so einfach zu sagen? Fangen wir mal mit empirischer Wissenschaft an. Alle Ernährungsstudien die so zitiert werden haben nämlich einen entscheidenden Nachteil. Streng genommen sind sie nicht wissenschaftlich. Um dies zu sein müsste man nämlich eine randomisierte Gruppe Menschen nehmen und denen dann zufällig bestimmte Ernährungsweisen zuordnen. Anschließend vergleicht man Fitness, Blutwerte, subjektives Wohlbefinden etc. Dass es ethisch nicht ganz so super ist einem Veganer eine Fleischdiät zu verordnet sollte eigentlich jedem einleuchten. Da es solche Studien also nicht gibt ist es nicht möglich wissenschaftlich fundierte Aussagen dazu zu treffen welche Ernährung super ist und welche nicht. Vor einigen Jahren war es zum Beispiel so, dass Cholesterin der böse Gesundheitsvernichter war. Esst bloß nix mit Cholesterin, da ist der Herzinfarkt sicher. Heute weiß man, dass 90% des Cholesterins vom Körper selber produziert wird und über die Ernährung kaum zu beeinflussen ist. Natürlich, wenn man Risikopatient ist sollte man auf Cholesterinhaltige Nahrung verzichten, aber ein gesunder Mensch kann täglich 5 Eier essen ohne seiner Gesundheit zu schaden.

An diesem Beispiel sieht man, dass vermeintliches Wissen über Ernährung häufig nur eine kurze Halbwertszeit hat.

Für viele Menschen ist ihre Ernährung allerdings fast etwas Religiöses. Ich kenne zum Beispiel diverse Menschen die sagen: „Ich bin Veganer“ und nicht „Ich ernähre mich vegan.“ Diese Formulierung macht eines deutlich. Jemand der sagt „Ich bin Veganer“ identifiziert sich mit dieser Art der Ernährung. Es ist mehr als eine Art sich zu ernähren, es ist eine Lebenseinstellung. So gibt es denn auch verschiede Gründe eine vegane Ernährung zu wählen. 3 Gründe werden sehr häufig angegeben auf die ich hier näher eingehen möchte.

  1. Es ist viel gesünder!
    Tja das ist wirklich eine recht mutige Aussage. Wie oben bereits beschrieben gibt es dazu keine stichhaltige, empirische wirklich wissenschaftliche Studien. Da aber Menschen die sich vegan ernähren viel bewusster essen, und sich schon aus rein praktischen Gründen sehr um ihre Ernährung kümmern müssen, kann man davon ausgehen, dass sie mehr frische, unverarbeitete, nicht industrielle Lebensmittel mit wenig Zusatzstoffen zu sich nehmen. An da kommen vegan lebende Menschen dann nach einiger Zeit zu einem Problem. Dem berühmten Vitamin B12. B12 tritt als sogenanntes Co-Enzym auf und ist wichtiger Bestandteile Aminosäuren-Stoffwechsels. Bei einem Mangel an B12 kommt es funktionellen Anämien, Störungen in der Leukozythensynthese und Neuropathien. Leider kann man Vitamin B12 in ausreichenden Mengen nur über Fleisch, speziell Innereien, oder aber als künstlicher Nahrungsmittelzusatz zu sich nehmen. Sprich vegan lebende Menschen sind auf künstliches Vitamin B12 angewiesen, da sie sonst mit der Zeit Mangelerscheinungen erleiden. Ob das Gesund ist muss man für sich selbst entscheiden.
  2. Die armen Tiere
    Viele geben Tierschutz als Grund für vegane Ernährung an. Als engagierter Tierschützer freu ich mich darüber sehr. Leider hat auch dieses Argument einen Haken. Die Produktion ausreichender Mengen eiweißreicher Pflanzen und anderem Obst und Gemüse kommt ohne Dünger nicht aus. Und Dünger kann entweder chemisch produziert werden, oder aber über Gülle aufgetragen werden. Und Gülle wird nun mal von Tieren produziert. Kann man die Frage stellen ob man nicht auch Menschliche Gülle nehmen könnte. Ja das könnte man theoretisch tun. Allerdings sind Menschliche Fäkalien durch Medikamente stark verunreinigt. Darüber hinaus gibt eine ganze Reihe Parasiten und Krankheiten die sich dadurch verbreiten, dass Menschen in Kontakt mit ihren eigenen Fäkalien kommen. Dadurch ist das nicht zu empfehlen. Bleibt also wieder Gülle von Tieren.
  3. Für Umwelt und Natur ist das viel besser
    Künstliches B12 und Kunstdünger habe ich ja oben schon erwähnt. Jetzt kommt aber noch etwas dazu. Vegan lebende Menschen brauchen alternative Eisweißquellen. Dafür kommen in erster Linie sogenannte Leguminosen in Frage. Leguminosen sind Pflanzen die reich an Aminosäuren sind. Aminosäuren sind die Bausteine von Eiweißen. Dementsprechend können solche Pflanzen als Eiweißquelle dienen. Die wichtigsten Leguminosen sind Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Sojabohnen und Erdnüsse. Diese Pflanzen entziehen Boden und Luft Stickstoff um daraus die Aminosäuren zu bauen. Bauern machen sich das zu Nutze indem sie diese Pflanzen als Gründünger benutzen und einfach nach der Reife unterpflügen. Boden braucht nämlich Stickstoff. Das Problem wenn man diese Pflanzen erntet und nicht unterpflügt ist, dass das die Böden auf Dauer auslaugt. Außerdem setzen Leguminosen CO2 frei was für die Umwelt dann auch nicht so schick ist. Was die CO2 Bilanz und den Zustand der Böden angeht ergibt sich aus veganer Ernährung keiner Vorteil. Zugegeben, auch kein Nachteil. Allerdings ist die Behauptung vegane Ernährung sei Umweltfreundlicher so nicht halten.

Damit ihr ich nicht Falsch versteht. Ich finds völlig ok, wenn Menschen sich vegan ernähren. Der einzig wirklich haltbare Grund dafür ist allerdings, wenn sich jemand durch vegane Ernährung wohler fühlt. Das ist es allemal wert.

Wenden wir uns dem anderen Extrem zu. Viel, warm, lecker. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland der Trend zu XXL-Restaurants durchgesetzt. Immer noch gibt es Menschen die meinen ein Restaurant sei dann wirklich gut, wenn man anständige Portionen bekommt. Die Pizzeria wird meist danach beurteilt wie schnell sie liefert und wie groß die Pizzen sind. Die Fernsehwerbung feiert Produkte die „Fingerfood für Fäuste“ sind.
Das Ganze hat noch einen weiteren Faktor. Immer wieder wird gesagt: „Da können sich Menschen die wenig Geld haben wenigstens noch satt essen!“

Und hier hörts dann bei mir wirklich auf. Die Idee man würde bei McDonalds mehr für sein Geld bekommen als wenn man selber kocht ist absurd. Eine große Portion Pommes bei der Pommes Bude bei mir um die Ecke kostet 2.10€ das sind ca. 200gr. Kartoffeln Entspricht einem Kilopreis von 10,50€. Ein Kilo Backofen-Pommes kosten ca. 2,50€. Ein Kilo Kartoffeln in Bioqualität kostet ca. 1 Euro. Das ist jetzt nur ein Beispiel dafür wie sich Menschen die wenig Geld haben wirklich satt essen können. Mit ein wenig Nachdenken kommt man aber auch von ganz alleine drauf. Wenn man Convenience-Food kauft bezahlt man die Fertigung natürlich mit. Da sind die Fabriken, die Löhne, mehrere Transportwege etc. Das fällt natürlich alles weg wenn man sein Essen selber zubereitet.

Und selbst wenn man nicht nur von Kartoffeln spricht. Ein Kilo Saisonales, regionales Obst bekommt man für ca. 2,00€ Gemüse für ca. 1,00€. Das große Loch in der Finanzkasse reißen Fleisch und Wurstwaren. Wenn man die in Anständiger Bioqualität haben will, dann ist das schon ein ganzes Stück teurer.
Ich verstehe weiß Gott jeden der gerne Steak, Pommes und Pizza isst. Ich mag das je selber gerne. Allerdings muss man sich dabei immer fragen was einem die Ernährung wert ist. Ich möchte kein halbes Hähnchen für 1,99 essen. Wenn ich dann überlege dass dieses Huhn keine 4,00 Euro wert ist. Davon werden noch der Gewinn von Endverkäufer, Zwischenhändler und Bauer abgezogen. Transportkosten, Lagerkosten und Betriebskosten gehen auch noch runter. Dieses Essen ist nur noch eins: Abfall.

Aber was stimmt denn nun und warum werden alle immer so Emotional wenn es ums Essen geht? Das ist eigentlich relativ einfach. Zum einen gibt es nicht die eine Wahrheit. Veganismus ist ok und Junkfoodanbetung ist es auch. Man sollte Menschen nur informieren woher das Essen kommt und was es mit einem macht.

Generell bin ich ein großer Verfechter davon sich bewusst zu machen was man isst und nicht anderen vorzuschreiben was sie zu essen haben.

Um dieses Bewusstsein zu schaffen brauchen wir allerdings Ideologiefreie Informationen. Und die bitte schon ab dem Kindergarten. Wenn in den Kindergarten dass Essen in Aluschalen geliefert wird, es aber Bildungsprogramme gibt, damit Kinder lernen, dass es dampft wenn Wasser kocht ist lächerlich. Warum nicht die Kinder schon ab dem Kindergarten mit in die Ernährung einbeziehen. Eine Bekannte hat ihr Kind in einer KiTa, in der die Kinder mit entscheiden was es zu essen gibt. Und was soll ich sagen. Diese Kinder wollen Äpfel, Möhren und Salat. Weil sie gelernt haben damit umzugehen.

Wir brauchen Verbraucherbildung in Grundschulen und Gymnasien. Um mündige Verbraucher zu haben, die informierte Entscheidungen treffen. Und wenn dann jemand dennoch Hardcore-Veganer oder Junkfood-Fetischist sein will, dann ist es halt so.
Also: Informiert euch was ihr esst. Esst was euch schmeckt und lernt wieder auf euren Körper zu hören. Genießt essen mit allen Sinnen. Und vor allen Dingen vergesst eines nicht:

Essen soll nicht nur nähren sondern auch Spaß machen.

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Niemals geht man so ganz…

Am 20.10.2014 bin ich von meinem Amt als politischer Geschäftsführer der NRW Piraten zurück getreten. Und bevor ich hier zu den Gründen schreibe, die dazu geführt haben, möchte ich mich erstmal bedanken für all die lieben Reaktionen, die danach kamen. Ihr habt mir diese schwieriger Entscheidung erträglicher gemacht.
Ich habe in dieser Partei wirklich gute Menschen kennen gelernt. Menschen die alles tun um die Piraten vorran zu bringen. Menschen die sich aufopfern und in ihrer Freizeit, man kann das garnicht oft genug betonen, daran arbeiten die Gesellschaft und die Politik ein wenig besser werden zu lassen. Einige dieser Menschen sind zu echten Freunden geworden. Menschen von denen ich hoffe, dass wir noch viele Jahre Seite an Seite bleiben. Bei all denen will ich um Verzeihung bitten. Um Verzeihung dafür, dass mir am Ende einfach die Puste ausgegangen ist.

Ich habe das Amt des politischen Geschäftsführer auch immer als ausgleichendes Amt gesehen. Eher in der Arbeit nach innen als nach aussen. Jemand der ausgleichend wirkt, versucht zu vernetzen, Gates auszugleichen und Skandalen entgegen zu treten. Das hab ich meist durch offene Information, stundenlange Gespräche und vor allen Dingen durch Zuhören gemacht. Ich behaupte einfach, dass ich immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Befürchtungen der NRW Basis gehabt zu haben. Dabei hatte ich auch nie vor unangenehmen Entscheidungen Angst. Wenn wir gemerkt haben, dass in bestimmten Fällen nicht mehr damit zu rechnen war, dass es zu einem Einlenken oder einem Ausgleich kommen kann, haben wir und insbesondere auch ich, immer klare Worte gefunden und im Einzelfall auch mal Ordnungsmassnahmen verhängt. Im Rahmen dieser Arbeit wurde es im NRW Landesverband immer ruhiger und Menschen konnten wieder politisch arbeiten. Nur hat das ganze einen Nachteil. Man gerät unweigerlich auch in den Fokus von Menschen denen es in Diskussionen in erster Linie darum geht, dass sie Recht haben. Und zwar immer. Was automatisch zur Folge hat, dass natürlich alle anderen Menschen im Unrecht sind. Einige dieser Menschen schrecken dabei vor keinen Mitteln zurück. Um diesen ganzen Post hier nicht zu lang werden zu lassen werde ich nur 2 Ereignisse schildern die mir bei den Piraten passiert sind und die exemplarisch für viele mehr stehen die alle gemeinsam dafür gesorgt haben, dass ich nun zurückgetreten bin.

– Der Psychologe
Immer wieder gibt es Menschen die der Meinung sind, dass jeder der in dieser PArtei ein Amt übernimmt dies tut um sich zu profilieren. Sie bezeichnen Menschen die Verantwortung übernehmen gerne als „karrieregeile Arschlöcher“. Den besonderen Fall den ich hier erwähnen will nenne ich den Psychologen. Nachdem er Wochenlang jeden meiner Schritte beobachtet hat, jede meiner Handlungen kommentiert und zerrissen hat, hat er irgendwann gemerkt, dass er mit Stalking nicht weiter kommt. Daraufhin griff er zu einem besonderen Mittel. Er fing an mit meinem Umfeld über mich zu reden. Dabei betonte er immer wieder, dass er sich Sorgen um die Menschen in meiner Nähe machen, weil ich krank und gefährlich sei. Das ganze gipfelte dann daran, dass er meine Frau anschrieb, um ihr die „Diagnose“ mit zu teilen ich sei ein Gefährlicher Irrer, der Drogen nehme und wahrscheinlich auf gefährlich für sie wäre. Natürlich schrieb er das nur um sie vor mir zu warnen. Diese Art Übergriffigkeit, die bis in die Beziehung zur Lebensgefährtin eingreift verstört ungemein. Natürlich kann man mit so einem „Einzelfall“ umgehen. Unterlassungserklärungen, Anwältliche Schreiben, die Schiedsgerichte. Aber damit reagiert man nur auf einen Angriff, der bereits getroffen hat. Es hat mich ca. ein halbes Jahr gekostet um diesen Menschen los zu werden.

– Der investigative Journalist
Davon haben wir einige in dieser Partei. Menschen deren Lebensinhalt und ihre ganze Arbeit in dieser Partei darin besteht nach Fehlern anderer zu suchen. Sie Leben vom Misstrauen, sehen hinter jedem Stein eine Verschwörung, hinter jedem Fehler eine böse Absicht und in ihren Mitmenschen, speziell in denen die in Ämtern sind, sehen sie stehts das Böse am Werke. Der spezielle Fall von dem ich rede kommt sehr perfide daher. Mit guten Ratschläge. Alles fängt damit an, dass man von ihm mit Ratschlägen bombardiert wird, wie der richtige Weg ist. Er kennt nämlich die Wahrheit. So bietet dieser Mensch dann Hilfe an, damit man sich auf diesem Weg der Wahrheit bewegen kann. Dabei werden die Forderungen was man tun muss mit der Zeit immer größer. Wenn man dann irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, dieser Wahrheit nicht mehr folgen kann oder will schlägt die Hilfsbereitschaft in Feindschaft um. Und diese Feindschaft will verbreitet werden. Dieser Mensch sucht sich dann andere Menschen, und verbreitet „extra geheime Informationen“. Dabei wird nicht davor zurückgeschreckt auch Dinge zu erfinden. Irgendwann stand ich dann vor einer Wand aus Unterstellungen und Behauptungen. Natürlich ist es mir gelungen diesen Unterstellungen entgegen zu treten, sie aus der Welt zu räumen. Also die meisten. Der Vorteil des investigativen Journalisten ist aber, dass das Verbeiten von Halbwahrheiten immer weniger Energie kostet, als das Ausräumen selbiger. Derjenige ist übrigens noch immer am Werk.

– Das zerstörerische Opfer
Das zerstörerische Opfer hat eines mit dem Journalisten gemeinsam. Er hat Recht und er kennt die Wahrheit. Immer. Ich muss sagen, dass dieser Mensch mich ganz besonders getroffen hat. Derjenige keilt ständig aus und haut anderen Menschen ins Gesicht. Nur um sich dann zu beschweren, dass ihm die Hand weh tut. Ich habe es dann gewagt diesem Menschen kontra zu bieten. Was war die Folge? Die Forderung der Amtsenthebung, des Parteiausschlusses und am Ende sogar die Forderung, dass ich entlassen werden soll. Solche Menschen schrecken nicht davor zurück die Existenz von anderen zu zerstören, nur um Recht zu bekommen.

Ja, das sind alles einzelne Fallbeispiele. Das kann ich alles wegstecken. Manche Sachen leichter, andere weniger leicht. Aber das Problem bei der Sache ist, dass das zwar einzelne Beispiele sind, aber nicht die Ausnahme. Bei den Piraten wird mit einen beständigen Druck- und Drohkulisse gearbeitet. Immer wieder liest man Tweets oder Mails, hat Gespräche oder Telefonate, hört von Mumblesitzungen und Stammtischen, bei denen die Arbeit von Vorständen und Mandatsträgern zerlegt wird. Uns als LaVo NRW wurde unter anderem unterstellt Geld zu unterschlagen, Absichtlich Beschlüsse zu verzögern, bewusst die Partei zu gefährden, und verantwortungslos zu handeln. Dabei haben viele dieser Angriffe garnicht direkt auf mich gezielt. Aber ich bin ein Teammensch. Wenn ich in einem Team arbeite, zielen alle Angriffe gegen die Gruppe oder gegen Mitglieder der Gruppe auch immer gegen mich. Ja, das mag eine Schwäche sein, aber es ist eine Schwäche die ich nicht ablegen will, oder werde. Ich werde immer die Menschen in meiner Nähe verteidigen gegen Angriffe. Denn eines habe ich bereits im Kindergarten gelernt. Wenn sich 2 prügeln, gehe zuerst hin und helfe dem Angegriffenen, dann schau wer Schuld ist und finde dann eine Lösung. Übrigens heisst das auch, dass wenn einer meine Freunde jemand anderen angreift, dass ich meinen Freund dann erstmal zur Ruhe rufe.

All das erfordert Kraft. Viel Kraft. Kraft die ich inzwischen nicht mehr hatte. Am letzten Wochenende war es dann mal wieder soweit und Menschen haben Gründe gesucht sich aufzuregen. Ein Fotoshooting, eine Mumblesitzung die verpasst wurde und eine LSG-Verhandlung die übersehen wurde. In diesen drei Fällen gab es eine Gemeinsamkeit. Es wurde mal wieder garnicht erst nach dem wieso gefragt, es wurden keine Informationen eingeholt, es wurden keine Fakten gecheckt, sondern es wurd der berüchtigte Shitstorm losgetreten. Verschwendung von PArteigeldern, bösartige Pflichtvergessenheit und Ignoranz wurde vorgeworfen. Mich hat niemand nach meiner Version gefragt, mich hat niemand gefragt, ob es vielleicht gute Gründe gab und es hat niemand gefragt ob diese Fakten überhaupt stimmen.

Natürlich hätte ich auch diesmal das gleiche tun können wie immer. Ich hätte diese Menschen anschreiben können, erklären können, in Mumblesitzungen kommen und zuhören und begradigen können. Ja das hätte ich tun können. Aber Meine Grenze war erreicht. Meine Kraft war zuende. Und mein Wille wieder mal auf Menschen zuzugehen und sie an der Hand von der Scheissekanone zu ziehen war weg.

Das alles würde ich aber von einem politischen Geschäftsführer mit erwarten. Von einem politischen Geschäftsführer der bei den Piraten tätig sein will. Entweder das, oder aber eine lernbereite Basis, die erst fragt und dann schiesst. Oder aber die Leute stützt die Verantwortung übernehmen, anstatt ihnen Beton an die Füße zu giessen. Ich werde weiter für die Piraten arbeiten. Ich werde weiter den Vorstand unterstützen. Auch als Basismitglied. Aber für die erste Reihe habe ich momentan nicht mehr die Kraft. Und solange einige Menschen in dieser Partei so weiter machen wie bisher braucht man leider mehr Kraft sich der PArtei zu erwehren, als man braucht um für die politischen Ziele zu kämpfen.

Stellt euch als Gruppe den Psychologen, den Investigativen, den Zerstörern, den Stalkern und den Erpressern entgegen. Nur so können wir Menschen in Ämtern halten.

Ausraster beim LPT – Erklärung und Entschuldigung

Wut

Einige haben ja mit Sicherheit mitbekommen, dass ich beim LPT142 in Kleve doch sehr die Kontrolle über mich verloren habe. Dabei habe ich  ziemlich übel die Versammlung beschimpft und verbal um mich getreten. Für dieses Verhalten möchte ich Euch um Verzeihung  bitten.

Berechtigt ist die Frage wie es überhaupt dazu kommen konnte. Wenn ich ganz ehrlich bin weiss ich selber nicht zu 100% warum das passiert ist und auch nicht genau was da überhaupt passiert ist. Dennoch will ich euch allen hier einmal darlegen wie es sich aus meiner Sicht darstellt.
 
Die letzten Wochen und Monate waren für mich persönlich eine schwierige Zeit. Einige haben mitbekommen, dass ich mich stressbedingt in Behandlung begeben habe wegen Herzrhythmusstörungen und anderen Stresssymptomen. Nein das soll kein heischen um Mitleid sein, sondern ist nur eine Beschreibung meiner Situation. Sie ist selbst gewählt, also muss  ich damit auch irgendwie klar kommen. Über meinen Stress hinaus durchleben auch einige Menschen in meinem persönlichen Umfeld zur Zeit  schwierige Zeiten, sei es finanziell, in der Beziehung oder auch andere  Krisen. Ich bin nunmal ein Mensch, der für Freunde bis zur Selbstaufgabe kämpft und das habe ich die letzten Monate oft getan. Nochmal: Dafür will ich kein Mitleid, weil ich das selbst so gewählt habe.
 
In  diesem Zustand der Erschöpfung bin ich dann zum LPT gefahren. Einige  reden in den letzten Tage davon, dass es eine Choreographie gegeben  hätte. Einen zu Grunde liegenden Plan was auf dem LPT passieren wird.  All denen muss ich sagen: Nein, die gab es nicht. Natürlich geht  man mit einer gewissen Erwartung in so einen Parteitag. Meine war mit  Sicherheit falsch. Dennoch habe ich nicht damit gerechnet, dass alle  des alten LaVos die kandidieren auch sicher wiedergewählt werden.
 
Schon bei den ersten Reden, den Diskussionen über die Versammlungsleitung im  Vorfeld und dem Bericht des Vorstandes habe ich gemerkt, dass ich echt feddich war. Sehr viele Menschen haben mir vorher gesagt: Ach is doch eigentlich wurscht was du da machst du wirst doch eh wieder gewählt. Mit sowas bin ich noch nie gut klar gekommen und ich bin auch sicher, dass da Menschen Erwartungen in meine Fähigkeiten und mein Wirken haben, die  ich eigentlich nur enttäuschen kann. Wenn einem ein Podest gebaut wird, kann man eigentlich nur fallen.
 
Dann kam der Wahlgang nach dem ich ausgetickt bin. Stephy bekam 49% und Volker 52%. Vor der Verkündung des Ergebnis wurde mir bereits von jemandem gesagt: „Jetzt bin ich mal auf dein Gesicht gespannt“ Das Ergebnis wurde  verkündet und mir ist zu diesem Zeitpunkt einfach alles aus dem Gesicht gefallen. Ich weiss bis heute nicht genau wieso, aber das hat mich heftig getroffen denn viele im letzten Vorstand waren nicht nur Kollegen, sondern Freunde. Nein der Wahlgang war keine Katastrophe. Er war ein Tropfen. Ein Tropfen, der einfach auf meine momentane Lage dazu gekommen ist und das sprichwörtliche Fass nicht hat überlaufen, sondern bersten  lassen. Ich bin noch nie in meinem ganzen Leben wirklich ausgerastet.  Ich bin immer der vermittelnde Diplomat gewesen. Möglicherweise mal unfair Menschen gegenüber, aber noch nie – wirklich noch nie – habe ich die Kontrolle verloren. Da schon.
 
Ich habe  angefangen die Versammlung zu beschimpfen, meine Freunde zu beschimpfen,  Menschen die mir nahe Stehen vor den Kopf zu stoßen. Wütend brüllend  bin ich daraufhin zur Wahlleitung und habe gesagt: Ich ziehe hiermit  meine Kandidatur zurück. Dann wieder raus aus dem Wahlbüro und vor die  Halle. Ich wollte einfach nur weg und raus. Was mir hier wichtig ist:  Ich habe NICHT gefordert einen Formfehler zu finden. Habe ich nicht und  werde ich nicht. Vorsichtshalber habe ich aber in der Woche nach dem  LPT nochmal den Wahlleiter gefragt, ob ich das bei meinem Ausraster  vielleicht doch gesagt habe. Aber auch der Wahlleiter hat mir bestätigt,  dass das jemand anderes war. Nein ich weiss nicht wer.

Während  ich dann vor der Halle auf und ab gerannt bin und wild geschimpft habe,  kamen immer mehr Menschen, die mich bearbeitet haben doch zu  kandidieren. Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr wie viele aber es waren  bestimmt 30 oder 40 Menschen die auf mich eingeredet haben, mich  trösten und beruhigen wollten, mich in den Arm genommen haben. Leider war ich nicht dazu in der Lage, in diesem Moment irgendwas davon anzunehmen.  Ganz im Gegenteil war ich zu diesem Zeitpunkt in einer emotionalen  Ausnahmesituation. Je mehr Leute kamen, umso schlimmer wurde es. Irgendwann habe ich dann mit der Faust vor die Wand geschlagen und ab da wird die Erinnerung etwas schwammig.

Durch  das betrachten der Aufzeichnung einige Tage später kann ich aber rekonstruieren was passiert ist. Während dieses Filmriss bin ich auf die  Bühne gegangen, habe eine rhetorisch sehr gute, aber inhaltlich krasse  Rede gehalten, habe Fragen beantwortet und wurde von knapp 67% der  anwesenden zum polGF gewählt.

Mein  Verhalten an dem Tag, und auch an den folgenden, war vollkommen  indiskutabel und unangemessen. Ich möchte nochmal bei den Menschen die  ich in den vergangenen Tagen verletzt habe um Verzeihung bitten.

Inzwischen  kann ich wieder einigermassen klar sehen und sehe mich auch wieder dazu  in der Lage meine Aufgabe zu erfüllen. Die Fraktion muss mit der Basis  versöhnt und verknüpft werden. Unsere Kommunalen Mandatsträger brauchen Hilfestellung und das Bild der Piraten in der Öffentlichkeit muss  repariert werden. Dafür wurde ich gewählt und das werde ich versuchen, so gut ich es eben kann, zu erfüllen.

Alles was ich in meiner Rede gesagt habe stimmt allerdings. Die Vorstände reiben sich in ihrer Arbeit für die Partei auf. Riskieren Job und  Gesundheit. Und das ist nicht gut. Wir brauchen euch. Wir brauchen die Basis. Wir brauchen Menschen, die einen Teil der Lasten mit übernehmen. Wenn wir wollen, dass diese Partei wieder in Fahrt kommt muss jeder  seinen Teil mittragen. Und das bedeutet nicht, dass man regelmäßig Mailinglisten liest oder jeden Tag die Fehler anderer Menschen sucht. Das bedeutet, dass man zum Beispiel 3-4 Stunden die Woche der Schatzmeisterei  hilft. Das bedeutet, dass man in den Arbeitskreisen in Kommunen oder im  Land mitarbeitet. Das bedeutet, dass man auch kommt wenn die Fraktion nach Input und Feedback fragt. Es liegt also nicht nur an den 9 Menschen im Landesvorstand, an den 19 Leuten in den Landtagsmandaten und den über 100 Leuten in den Stadträten und Kreistagen.
 
Es liegt an uns allen.

Meine neue Lieblingssuppe

Hallo zusammen,

Wegen gesundheitlichem Kack-Foo bin ich gerade dabei meine Ernährung umzustellen. Weniger Fett, hochwertige Eiweisse, viel Gemüse. In diesem Rahmen habe ich heute meine neue Lieblingssuppe gekocht und will euch das Rezept nicht vorenthalten.

Für 4 Personen:

  • 2     Bio-Hühner-Keulen
  • 2     große Karotten
  • 1/2 Bund Lauchzwiebeln
  • 2     Dosen Tomaten-Pulpa
  • 250 gr. Kichererbsen
  • 2 Tl. Salz
  • 1/2 Tl. Pfeffer
  • 1/2 Tl. Cumin (Kreuzkümmel)
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Zweige frische Minze
  • 2 Esslöffel scharfes Tomatenmark
  • Joghurt

Die Hühnerkeulen mit 750 ml Wasser, Salz und Pfeffer in einen Topf und 80-90 Minuten kochen. Die Schenkel sind gar, wenn man die Knochen ganz einfach herausziehen kann. Die Schenkel aus der Brühe heben, das Fleisch herauslösen und in appetitlich große Stücke zerteilen. Brauch man kein Messer für, sondern konnte alles mit den Fingern gehen. (Tipp: Einmalhandschuhe anziehen, dann verbrennt man sich nicht die Pfoten).

Karotten schälen und in dünne scheiben schneiden und rein in die Brühe. Die Kichererbsen und die Tomatenpulpa dazu geben. Bei Kichererbsen aus der Dose einfach abgiessen und rein damit. Getrocknete Kichererbsen muss man 24 Stunden in ausreichend Wasser quellen lassen und danach weich kochen. Ich empfehle euch die aus der Dose. Schmecken genauso gut und machen weniger Arbeit.

Cumin malen und mit dem Knoblauch in die Suppe. Alles kochen lassen. Lauchzwiebeln und Minze kleinschneiden. Nicht hacken, sondern schneiden, sonst habt ihr mehr Aroma im Schneidebrett als in der Suppe. Mit dem Tomatenmark andicken. Es gibt Tomatenmark mit Chilie. Kann ich sehr empfehlen und gibt der Suppe den letzten Kick.

Nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken. Suppe in Teller geben, in die Mitte der Suppe 1-2 Esslöffel Joghurt.

Dazu passen Knoblauchbrot, Fladenbrot, Reis oder Risoni-Nudeln.

Guten Appetit

Von einem der auszog den polGF zu lernen

Meine Amtszeit als Politischer Geschäftsführer für den Landesverband NRW neigt sich dem Ende zu und – meine Güte – was für ein Ritt.
Es sind viele Freundschaften entstanden – ich musste mit Gates und Skandalen umgehen, es gab Anfeindungen und Shitstorms – wir haben uns zu Klausuren und Schulungen zurückgezogen, haben in Mumble und an Stammtischen diskutiert – Vorstandssitzungen, Parteitage – und nicht zu letzt drei Wahlkämpfe geführt und überstanden.
Es war wirklich ein spannendes Jahr in dem ich vieles lernen durfte, viele Menschen kennen gelernt habe, viel in NRW rum gekommen bin und ja, auch an meine persönlichen Grenzen gestoßen bin.
Vor ca. 18 Monaten wurde ich in Bottrop zum polGF gewählt. Ein Amt, das vorher nicht wirklich besetzt war, wodurch es erst mal keine Amtsübergabe gegeben hat. Dank der großartigen Hilfe von Stephy und DanielSan war eine Einarbeitung in die technischen Details aber ziemlich leicht und wir konnten sehr schnell mit der Arbeit anfangen. Über viele Dinge, die mir bei Amtseintritt als Probleme erschienen, muss ich heute schmunzeln. Visitenkarten zum Beispiel (nicht wahr, pakki? ;-))
Meinen ersten Auftritt als polGF hatte ich bei einer Veranstaltung in Gelsenkirchen, wo ich zum Stammtisch eingeladen war. Dort war es glücklicherweise so, wie bei meinen vielen anderen Besuchen bei Piraten, die noch folgten. Ich wurde sehr höflich und freundschaftlich aufgenommen. 
Dadurch, dass ich keinen wirklichen Amtsvorgänger hatte, und das Amt des Politischen Geschäftsführers bei den Piraten auch nicht wirklich definiert ist, konnte ich mich gleich an die Arbeit machen, meine Aufgabenbereiche zu definieren und mich in die Arbeit zu stürzen. Und was hab ich mir da so definiert? Verknüpfung der Kommunen, parteiinterne Bildung, parteiinterne Kommunikation, Förderung der AKs. Nicht alles davon konnte ich in meiner Amtszeit so ausfüllen, wie ich es mir vorgestellt und auch gewünscht hätte aber doch einiges. Was im Laufe der Zeit noch dazu kam, war die Funktion des Gatekeepers. Ich hatte immer ein offenes Ohr für die Stimmungen in der Basis, und wann immer es etwas gab, was die Gemüter erhitzte, habe ich mich bemüht, die Kommunikation aufzunehmen, zu erklären und zu vermitteln. Die Tatsache, dass wir als Vorstand in dieser Amtszeit keinen Shitstorm aufhalten mussten, spricht vielleicht auch dafür, dass ich das nicht immer ganz schlecht gemacht habe.
Warum ich die anderen Dinge nicht immer so gut gemacht habe, wie ich wollte? Nun, zum einen waren da die Wahlkämpfe, die unglaublich viel Zeit gefressen haben. Interviews, Veranstaltungen, Pressegespräche und Demos wollten organisiert und unterstützt werden. Genau in dieser Zeit wurden wir auch von den Snowden-Enthüllungen überrollt, was auch einiges an Prioritätenverschiebungen mit sich gebracht hat. Allerdings hatte das Organisieren von Demos und die Verknüpfung mit Interessensgruppen auch einen großen Vorteil. Inzwischen sind wir mit den unterschiedlichsten NGOs in NRW gut verknüpft. Seien es Anons, Occupy, Monsanto-Gegner, Tierschützer, CO-Pipeline-Gegner, Hundefreunde, Mehr Demokratie oder die Sea-Sheppards. In all diesen NGOs haben wir inzwischen Freunde und Mitstreiter gefunden. Dabei ist es uns gelungen, auf Demos und Auftritten immer als Piraten wahrgenommen zu werden. Mir war es immer wichtig klar zu machen: Wir arbeiten wirklich gerne mit Antifa, Anons oder dem Tierschutzbund zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Es ist aber immer eine Kooperation und keine Inkorporation. Die Zusammenarbeit war immer von gegenseitigem Interesse und Respekt geprägt und ich bin mir sicher, das ist eine Sache, an der wir noch oft anknüpfen werden.
Neben diesen thematischen Kooperationen gab es aber auch viel Organisatorisches zu tun. Für die vielen kommunalen Mandatsträger werden gerade im Hintergrund Entwürfe für gemeinsame ITLösungen gebaut. Der Länder-Finanz-Ausgleich hat einiges an Unruhe gebracht, die auch immer noch nicht endgültig geklärt ist. Gerade am Anfang unserer Amtszeit mussten diverse Anträge auf OMs abgearbeitet werden, die in der Vergangenheit liegen geblieben waren. Streit musste geschlichtet werden – und gerade nach der Schlappe bei der Bundestagswahl mussten auch viele Mitglieder getröstet werden.
Und dann kamen OM-Gate, Bomber-Gate, Molli-Gate. Wow. Viele Ereignisse haben sich da überschlagen. In der Hochphase haben pakki und ich quasi ständig mit anderen LVs, den BuVo Mitgliedern, austretenden Mitgliedern und Pressevertretern gesprochen. Ein paar Wochen lang bedeutete das: kein freies Wochenende und maximal 3 bis 4 Stunden Schlaf pro Nacht. Bei der Austrittswelle habe ich viele Mitglieder angerufen, mir die Sorgen angehört, Hilfe angeboten und den ein oder anderen auch dazu bewegen können, Geduld zu beweisen und eben nicht auszutreten. Dabei war immer wieder eines der Grundtenor: Ja, die Aktionen waren Scheiße und ja, das hat genervt. Aber das eigentlich Schlimme war doch, dass sich die Mitglieder von ihren Vorständen im Stich gelassen fühlten. Diese Lücke, die da durch den Ex-BuVo gerissen wurde, haben wir vielfach versucht, zu schließen. Im Rahmen dieser Versuche kam dann auch unser viel beachtetes Statement zu BuVo und Bombergate, dem viele andere Landesverbände dann gefolgt sind.
Ich war in dieser Zeit nicht immer sicher, das Richtige zu tun. Wenn man bei den Piraten als Landesvorstand die Stimme erhebt und für den Landesverband spricht, ohne sich vorher das Votum einzuholen, geht man immer ein nicht ganz unerhebliches Risiko ein. Mir ist dann bei jedem LPT eines Landesverbandes, der unser Statement bestätigt hat, ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Und ganz besonders auf dem LPT in Bielefeld. Unser Statement wurde vom Parteitag bestätigt und nicht nur das. Ein gegen uns gestelltes Misstrauensvotum wurde mit einer Stimme gegen uns und allen anderen Stimmen für uns abgelehnt. Eine solche Zustimmung für einen Landesvorstand habe ich bei der Piratenpartei noch nie erlebt und das hat mir unglaublich viel Kraft für meine Arbeit gegeben. Generell muss ich sagen, dass die Basis in NRW uns unsere Arbeit wirklich erleichtert hat. Es gab immer wieder tolle Ideen und viele, viele Piraten haben sich immer wieder in Wahlkämpfe gestürzt. Selbst wenn wir zwischendurch mal Fehler gemacht haben, und natürlich haben wir auch Fehler gemacht, wurden uns die immer verziehen, die Kritik kam weitgehend sachlich und nie verletzend. Die Piraten in NRW, der mit weitem Abstand mitgliederstärkste Landesverband, leisten wirklich tolle Arbeit. Und die Arbeit wird in nächster Zeit nicht weniger werden. Nach der tollen Arbeit in den Wahlkämpfen geht es die nächsten Jahre darum, unsere ca. 150 Mandatsträger zu stützen. In thematischen AKs, direkt vor Ort, oder auch durch Unterstützung in Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung und IT. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir das gemeinsam rocken werden.
Apropos Kraft. Die ist mir dann doch irgendwann ausgegangen. Vor einigen Wochen bin ich mit Herzrhythmusstörungen und Schlafstörungen erst mal für einige Zeit außer Betrieb genommen worden. Das hat mir klar gemacht, dass so ein Engagement auch Grenzen haben muss. Mit meiner Arbeit im Landtag zusammen habe ich einige Monate lang jede Woche 70-80 Stunden für Piraten gearbeitet. Gekoppelt mit einer 24/7 Erreichbarkeit. Das kann natürlich niemand auf Dauer leisten. Und sollte auch niemand leisten müssen. Das lies mich dann zu dem Schluss kommen, dass die Arbeit anders organisiert werden muss. Seit diesem Ausfall bin ich dabei und komme auch ganz gut damit zurecht. Auch wenn das bedeutet, dass ich ganz klar Prioritäten setzen musste und nicht mehr alles bearbeiten konnte. Für eine mögliche nächste Amtszeit heißt das aber auch, dass ich der Meinung bin, dass jeder in diesem Vorstand eine helfende Hand aus der Basis braucht. Diese „helfende Hand aus der Basis“ sollte dem Vorstand zur Seite stehen und sein „externes Gedächtnis“ sein. Ohne geht es einfach nicht.
Schließen möchte ich mit etwas, worum ich gebeten wurde. Nämlich einer Art Kollegen-Feedback. Sowas ist immer unangenehm, deswegen will ich es kurz und schmerzlos halten.
Pakki (1V): Mit pakki hatte ich in diesem Vorstand nicht nur einen 1. Vorsitzenden, sondern einen Freund. Einen Freund mit dem ich auch über private Dinge sprechen konnte, was sehr wichtig ist, wenn man so eng zusammenarbeitet. Pakki hat in dieser Amtszeit immer wieder Erstaunliches geleistet. Er hat Menschen motiviert, angespornt, Dinge in Gang gebracht und Projekte angestoßen. Das war dann gleichzeitig leider auch manchmal ein kleines Problemchen. Viele Projekte wurden angestoßen, haben es dann aber nicht immer zur Vollendung geschafft, weil in diesen vielen Dingen manchmal dann doch der Überblick fehlte. Nichts desto trotz hat pakki einen tollen Job gemacht und ich würde mich freuen, wenn er den in der nächsten Amtszeit nochmal machen würde. Pakkibär, du rockst 😉
Christian(2V): Leider hat Christian bereits bekannt gegeben, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht. Ich bedauere das. Zwischendurch hatten wir zwei zwar mal das Problem, dass jeder für sich gearbeitet hat, aber keiner wusste was der andere so genau machte ;-). Aber es gibt wohl niemanden in diesem Vorstand, der so gut in die Ereignisse in den KVs und vKVs vernetzt ist, wie Christian. Eine Fähigkeit, die einem kommenden Vorstand extrem fehlen wird. Darüber hinaus schätze ich Christian sehr für seine Gabe mit messerscharfen Kommentaren Dinge auf den Punkt zu bringen und einen zum Umdenken zu bewegen. Mindestens genauso sehr, wie dafür, wenn er mal anderer Meingung als die Mehrheit des Vorstandes ist, diese Beschlüsse zu akzeptieren und danach zu arbeiten. Christian, es war eine tolle Zeit mit dir.
DanielSan (2V): Der Herrscher des Trackers, Meister des Schiedsgerichts und Herr über die OMs. Meine Güte, was hätten wir bloß ohne Daniels Einsatz in diesen Bereichen getan. Man muss aber auch anerkennen, dass es unglaublich viel Kraft kostet, wenn man sich die ganze Zeit mit den Streits und Abgründen der Partei befassen muss. Eine Tatsache, die in den letzten Monaten dazu führte, dass DanielSan seine Aufgaben zwar nicht die ganze Zeit, wenn, dann aber 1000%ig machen konnte. Ich hoffe Daniel, dass du bald wieder Kraft für dich findest. Danke für alles was du getan hast in den vergangenen 18 Monaten.
Stephy (Schatzi): Was soll ich da sagen. Ich bin da glaube ich nicht ganz objektiv 😉 Seit einigen Wochen bin ich Patenonkel von Stephys Jüngstem und das sagt eigentlich schon, dass ähnlich wie bei pakki, hier eine tiefe Freundschaft entstanden ist, die weit über die Partei hinaus reicht. Leider war es für Stephy in den letzten Monaten privat nicht immer ganz leicht. Innerhalb einer Amtszeit einen neuen Job anzufangen, ein Baby zu bekommen, sich mit dem Länderfinanzausgleich und den Klagen dagegen auseinandersetzen zu müssen und noch einiges mehr, führen halt dann manchmal dazu, dass die Prioritäten nicht immer bei der Schatzmeisterei liegen. Nichts desto trotz hat Stephy es geschafft, ein tolles und tatkräftiges Team um sich herum aufzubauen, die dafür gesorgt haben, dass auch in der schweren Zeit nichts liegen geblieben ist. Stephy: Ich wünsche dir nichts mehr, als ein wenig Ruhe und Stabilität für die Zukunft. Und ja, ich wünsche mir auch von dir eine weitere Amtszeit 😉
Claudia (GenSek): Von Claudias Arbeit hab ich leider nicht so viel mitbekommen, weil ich mit unserer Mitgliederverwaltung kaum Kontakt habe. Was ich aber sehe, ist dass sie ein Verwaltungsteam an der Seite, das sie unterstützt und gute Arbeit leistet. Die Inventarisierung schreitet voran und eine neue Verwaltungsoberfläche ist in Planung. An der ein oder anderen Stelle hakelt es in meinen Augen noch, aber möglicherweise fehlt mir auch der Einblick.  Leider ist Claudia ein echter Pechvogel was Verletzungen und Krankheiten angeht. Auch das Netz ist nicht immer stabil und in den paar Monaten seit dem letzten LPT ist auch noch ein Umzug dazu gekommen. Liebe Claudia: Pass auf dich auf, brech dir nicht schon wieder die Knochen.
Maja (Beisitzerin): Wow. Die Maja. Noch auf unserem Wahlparteitag hab ich Maja gesagt: „Denk nochmal drüber nach ob das gut für dich ist. Ich weiss nicht ob du dem Druck gewachsen bist.“ Aber was soll ich sagen… Sie ist dem Druck nicht nur gewachsen, sondern auch in ihrem Amt gewachsen. Maja hat in dieser Amtszeit einen beeindruckenden Job gemacht. Den Tracker immer im Blick, den Kollegen auf die Füße getreten wenn sie mal wieder das übersehen haben, in der Verwaltung gearbeitet, 1 Milliarde Mails gelesen und geschrieben und selber auch einige Akzente gesetzt was den Landesverband angeht. Ich unterstütze ausdrücklich Majas Kandidatur zum 2V, weil sie gute Ideen hat und vieles leisten kann. Das einzige Manko ist, dass Maja ein Bündel kochender Emotionen ist 😉 Hinter jeder Kritik könnte ja ein Shitstorm und hinter jeder Mail ein Trollversuch stecken. Liebe Maja: Du machst einen tollen Job und wirst bestimmt eine tolle 2V. Wenn du noch ein wenig Gelassenheit übst, wird dir das aber bestimmt noch leichter fallen.
Sasa (Beisitzerin): Ähnlich wie Christian, hat auch Sasa uns auf der letzten Klausur gesagt, dass sie sich lieber in Richtung Bundespolitik und nicht mehr im LaVor engagieren möchte. Das Verhältnis zwischen Sasa und mir war nicht immer so einfach. Auch im Nachhinein verstehe ich einige Dinge nicht und andere ärgern mich sogar. Leider ist sie meiner Meinung nach nicht immer allem gerecht geworden was sie sich vorgenommen und uns angekündigt hat. Dafür gibt es natürlich Gründe. Seien es familiäre, oder dass sie sich im Parteistreit der letzten Monate eher von uns weg entwickelt hat. Sasa ich hoffe du findest bei der pplattform oder wo auch immer es dich hinziehen mag deine politische Heimat. Auch wenn wir häufig unterschiedlicher Meinung waren und sind mag ich deine Leidenschaft und dein Streben nach deinen Zielen.
Stahlrabe (Beisitzer): Daniel hat völlig neue Ansichten und Denkweisen in diesen Vorstand gebracht. Und das ist gut so. Bei jedem Beschluss will er überzeugt werden und sehr häufig kommt von ihm ein „aaaaaber“ aus dem Hintergrund. Das führt dazu das Dinge länger durchdacht werden und am Ende dann bessere Ergebnisse heraus kommen. Die letzten Monate hat er sich in erster Linie darum gekümmert dass wir eine neue Landesgeschäftsstelle in Düsseldorf finden. Einige interessante Objekte waren dabei. Das richtige leider noch nicht. Ich würd mir wünschen, dass du deine Arbeit im neuen Vorstand fortsetzen willst.
Das ist jetzt ein verdammt langer Blogbeitrag über die letzte Amtszeit geworden. Mit Sicherheit fehlt noch so Einiges, aber alles in allem muss ich sagen, dass es die meiste Zeit wirklich toll war in diesem Vorstand zu arbeiten.
Wie geht es nun weiter? Es gibt einige Brocken die wir noch bewältigen müssen. Zum einen muss die Strukturreform sinnvoll weiter vorran getrieben werden. Die Kommunalen Parlamente müssen weiter verknüpft und organisiert werden. Aber es gibt eine Sache die noch viel wichtiger ist:
Wir müssen aus unseren Löchern und wieder durch politische Initiativen von uns Reden machen. NRW ist ein Land in dem es da noch viele Baustellen gibt. Wir werden standhaft weiter daran arbeiten, dass Fracking niemals nach NRW kommt. Wir werden Transparenz in die kommunalen Parlamente bringen. Wir werden für menschenwürdige Flüchtlingsunterkünfte und dezentrale Unterbringung kämpfen. Open Source Lösungen für Kommunen, flächendeckendes Breitbandnetz, Bürgerenergie, flexible Schulzeitlösungen, Etablierung eines guten Whistleblowerschutzes. Die Liste ist lang. Nach dem aBPT in Halle haben wir jetzt die Möglichkeit in enger Zusammenarbeit mit der Bundespartei diese Liste in Angriff zu nehmen und aktiv zu werden.
Und nun muss ich mich wohl der Frage stellen, ob ich dem Landesverband für eine weitere Amtszeit als politischer Geschäftsführer zur Verfügung stehe. Wenn ich die Liste sehe, die ich da eben aufgestellt habe kann ich ja kaum anders. Ja ich werde in Kleve für eine weitere Amtszeit kandidieren und hoffe, dass ihr mir dort eure Stimme gebt.
bis in Kleve dann

Shitstorm – Warum wollt ihr Menschen kaputt machen?

Es geistert mal wieder über Twitter. „Dass manche Piraten soviel Spaß daran haben andere Menschen kaputt zu machen, macht mich traurig.“ Diese Behauptung wird in den Raum gestellt und viele Piraten stehen da und nicken. Der berühmte Shitstorm geht wieder um. Ich glaube ja, dass es sowas wie einen Shitstorm immer mal wieder gibt. Ich persönlich gegen mich habe aber noch keinen in dieser Partei erlebt. Aber warum ist das so?

Ich bin im LaVo NRW und wir sind ein Vorstand der sich wirklich nicht scheut Entscheidungen zu treffen. Und nein, im Nachhinein waren natürlich nicht alle dieser Entscheidungen optimal. Wir haben auch Fehler gemacht. Das ist ja auch komplett normal, Fehler macht jeder. Vorstände vor und wurden für solche Fehler auch schon mal furchtbar zerfleischt. Ne Moment, wurden sie nicht. Meine Erfahrung zeigt, dass man nicht für Fehlentscheidungen zerrissen wird. Nicht für mögliche Fehler. Nein, man wird für den Umgang damit zerrissen. In meiner Amtszeit habe ich es mehrfach erlebt, dass wenn man einen Fehler macht, ihn offen eingesteht, das auch kommuniziert und danach versucht den Fehler zu korrigieren, oder doch zumindest nicht zu wiederholen, dann verzeiht einem der Landesverband und versucht sogar bei der Korrektur zu helfen.

Jetzt gibt es manche die behaupten, ich würde mich ja nur mit Arschkriechern umgeben, die sich gar nicht trauen würden hart zu kritisieren. Mal ganz im Ernst: Schreibrephorm ist in meinem polGF Team. Wenn irgendwer mal seine Meinung klar und deutlich kundtut, dann ja wohl er. Der Trick ist einfach die Kritik ernst zu nehmen und sie sich anzuhören. Und selbst wenn ich dann mal trotzdem nicht seiner Meinung bin und sage: „Du find ich alles ok, aber aus den Gründen x, y und z mache ich das aber trotzdem so.“ Dann bin ich trotzdem dankbar für die Kritik, weil ich dadurch auch einfach gezwungen bin meine eigene Position immer wieder in frage zu stellen.

Das ist übrigens auch schon der nächste Punkt. Ich bin nicht verliebt in meine Meinung, oder meine Anträge. Ich ziehe immer die Möglichkeit in Betracht, dass ich mit meiner Meinung falsch liegen könnte. Das heißt nicht, dass ich jetzt den ganzen Tag in furchtbaren Selbstzweifeln durch die Gegend laufe. Das heißt nur, dass ich bereit bin meine Meinung zu revidieren.

Denn wo haben wir denn Konflikte in dieser Partei? Immer da wo Standpunkte absolut vertreten werden. Immer da wo Menschen keine außer der eigenen Meinung zulassen. Und noch schlimmer, da der eigene Standpunkt ja der ultimativ richtige ist und mein gegenüber anderer Meinung ist, kann derjenige ja nur ein Idiot sein und damit scheiße.

Es ist eigentlich egal ob es dabei um liberal, links, feministisch, vegan, oder was auch immer geht. Manche Leute können scheinbar nur glücklich leben, wenn ihre eigene Position die einzig richtige ist. Aber warum davon runter ziehen lassen. Mich berührt das ehrlich gesagt nicht. Jeder Mensch hat nur so viel Macht über euch und eure Gefühle wie ihr es gestattet.

Mit einem: Aber wir müssen doch alle lieb zu einander sein! Werden wir nicht weiter kommen. Ihr habt nämlich nicht im Griff was Menschen denken, schreiben oder sagen. Und das ist auch gut so. Was ihr aber im Griff habt ist eure Wahrnehmung der Dinge. Achtet nicht darauf wer euch auf Twitter folgt, dass ist komplett egal. Achtet darauf wem ihr folgt, denn das ist eure Filterbubble und bestimmt eure Sicht der Dinge.

Wenn es euch dann irgendwann zu viel wird zeigt Menschen Grenzen auf. Und wenn das nicht klappt, Gottchen, dann hört ihnen einfach nicht mehr zu.

Das wichtigste aber ist und bleibt es davon auszugehen, dass Menschen fehlerhaft sind. Sie sind nicht perfekt. Wenn sie mal einen Fehler machen, machen sie das nicht um euch zu ärgern. Und vielleicht ist ja auch das, was ihr für einen Fehler haltet, gar kein Fehler, sondern nur einfach eine andere Sicht der Dinge. Wenn ihr das nie vergesst geht es euch wesentlich besser. Niemand sollte sich für das Zentrum des Universums halten, sondern für einen Teil des Ganzen. Und das Ganze „Piratenpartei“ ist wichtiger als jeder einzelne von uns.

LPT und die Debattenkultur

Am letzten Wochenende war der LPT der NRW-Piraten. Um es vorweg zu  nehmen, das war für mich einer der besten Parteitage, die ich jemalserlebt habe.
Dabei gab es da einige dicke Bretter zu bohren und einige Änderungen zu verkraften. Die erste Änderung gab es gleich zu Beginn. Nach diversen Gesprächen mit Pressevertretern und interessierten Gästen rund um den letzten LPT in Bottrop hatten wir uns dazu entschieden, einige Reden an den Beginn des Parteitags zu stellen. Bei uns Piraten war das bisher eher unüblich. Parteitage dienten dazu, Debatten zu führen, sowie Beschlüsse herbeizuführen, weniger dazu auch die Meinungen und Einstellungen der Partei nach außen zu kommunizieren. Wir wollten allerdings die Chance der Presseaufmerksamkeit in Rahmen von Parteitagen nicht verstreichen lassen, und haben so einige Richtungsreden an den Anfang  gesetzt.
Glücklicherweise stellte sich der erhoffte Erfolg ein. Nach den Reden gab es diverse Interviews und Berichte. Hier auch nochmal einen großen Dank an unser Presseteam, das auf diesem Parteitag wirklich tolle Arbeiit geleistet hat. Wie erhofft und fast auch erwartet wurden Sätze aus den Reden aufgegriffen und haben es in die Presseberichterstattung geschafft. Ich persönlich werde mich auch dafür stark machen, das auf den nächsten Parteitagen so beizubehalten.
Danach folgte dann die sogenannte Richtungsdebatte. Sind wir Sozialliberal, Linksliberal,  Links, oder lieber garnichts davon. Es war eine emotionale Debatte mit viel Herzblut, vielen Argumenten, Rede und Gegenrede. Aber zu keinem Zeitpunkt wurden Menschen für ihre Meinung angegriffen. Trotz des doch sehr emotionalen und richtungsgebenden Themas haben wir es geschafft, sachlich zu bleiben. Inzwischen sollte es auch der letzte mitbekommen  haben: Der Landesverband NRW sieht sich ebenso wie die Landesverbände von Thüringen, Hamburg, Niedersachsen und Rheinland Pfalz als sozialliberale Partei auf dem Boden der Freiheitlich-Demokratischen-Grundordnung. Den meisten war das schon lange klar, aber dieses Votum sorgt dafür, dass wir für Medien, Bürger und ja auch für uns selbst greifbarer werden.
Drei weitere Dinge waren für mich noch von großer Bedeutung und haben den LPT zu etwas besonderem gemacht.

Strukturreform

Gemeinsam mit der AG Struktur habe ich die letzten Monate an einer Überarbeitung der Parteistrukturen gearbeitet. Wir versuchen, die Strukturen zu vereinfachen, verbindlicher zu machen und damit auch transparenter. Fast alle unserer Anträge zu dem Thema wurden vom Parteitag angenommen. Darüber freue ich mich wirklich sehr, weil ich ja bereits bei meiner  Antrittsrede zum politischen Geschäftsführer angekündigt hatte, daran arbeiten zu wollen. Natürlich gab es hier auch Kritik, aber wir haben es, glaube ich, geschafft diese Kritik gut aufzunehmen und haben nach einigen wirklich guten Anregungen auch den ein oder anderen Antrag zurückgezogen. Danke hier auch nochmal an Volker John aka @macgyver1977,dermit mir gemeinsam zu diesen Anträgen auf der Bühne stand.

 

Kommunal-Rahmen-Programm

Patrick Schiffer aka @pakki und ich haben gemeinsam auf dem LPT einen Antrag zu einem kommunalen Rahmenprogramm gestellt. Es war ein modularer Antrag mit vielen Unterpunkten. Erarbeitet wurde er von einigen Kommunen und vor allen Dingen von unserem AKKommunalNRW. Das an sich ist nichts Besonderes. Besonders wurde es durch die Debatte. Wir haben gleich am Anfang dazu aufgerufen, eventuelle Kritik an den Modulen oder auch neue Formulierungen vorzubringen. Uns war es lieber, dass einige Module wegfallen, als dass der ganze Antrag abgelehnt werden würde. 
In einer knapp halbstündigen Zusammenarbeit wurde so gemeinschaftlich mit uns Antragstellern und der gesamten Versammlung am Antrag gearbeitet. Hier und da gab es kleine Änderungen. Immer, wenn jemand einen Punkt nicht ganz mittragen konnte, haben wir ein Meinungsbild der  Versammlung zu einer eventuellen Änderung eingeholt. Wenn diese für die Änderung war, haben wir ohne weitere Debatte die Änderung vorgenommen. 
Am Ende wurde dann dieser modifizierte Antrag mit einer überwältigenden Mehrheit mit allen Modulen vom Parteitag angenommen. So stelle ich mir eine lebendige Debattenkultur vor. Ich möchte auch allen Anderen, die Anträge stellen, folgendes ans Herz legen: Verliebt euch nicht zu sehr in eure eigene Arbeit, bleibt immer offen für Anregungen und klebt nicht an jedem einzelnen Wort. Nur so kommen wir gemeinsam weiter. Schon oft wurde ein Antrag wegen einzelner blöder Absätze abgelehnt. Dieser Parteitag hat gezeigt, dass das nicht so sein muss.

 

Vertrauen oder Misstrauen

Wir Piraten haben natürlich Misstrauen allen Menschen gegenüber, die ein  Amt oder Mandat besitzen. Immer wieder hört man:Die Basis liebt dich, bis sie dich gewählt hat. Dann beginnt sie dich zu hassen. So kam es denn auch, dass ein Mitglied der Partei einen Misstrauensantrag gegen den gesamten Landesvorstand gestellt hat. Auf die Gründe will ich hier garnicht näher eingehen.Viel wichtiger ist, was dann passiert ist. 
Nachdem dieses Parteimitglied seine Gründe dargelegt hat, schritt die Versammlungsleitung zur Abstimmung. „Wer ist dafür, dem Antrag zu folgen und dem Vorstand das Misstrauen auszusprechen?“ Mein Blick war auf der  Bühne und ich sah wie der Antragsteller seine Stimmkarte hob. Ich dreh mich um in den Saal und sehe: Keine einzige Stimme gegen uns.
„Wer ist dagegen?“ Alle Stimmkarten gehen nach oben und der gesamte Parteitag spricht uns geschlossen sein Vertrauen aus. Ich kann euch kaum beschreiben, wie sich das für einen Landesvorstand der Piraten anfühlt. Ich kann einfach nur Danke sagen. Danke, dass ihr uns in unserer Arbeit bestätigt habt, dass ihr uns vertraut und uns zeigt, dass wir das Amt so ausfüllen wie ihr es euch wünscht. Natürlich machen wir Fehler. Natürlich ist nicht immer eitel Sonnenschein. Aber ich verspreche euch, wenn ihr uns für einen Fehler kritisiert, werden wir die Kritik immer aufnehmen und mit euch Allen darüber sprechen, um möglichst keinen Fehler  zu wiederholen.
Alles in allem hat mir dieser Parteitag gezeigt, dass wir aus den Kinderschuhen kommen. Wir sind dabei unsam eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Und damit sind wir auch dabei jetzt bereits dabei, das Fundament zu legen, damit wir 2017 eben nicht tot sind, sondern weiter im Parlament für unsere Ziele arbeiten können. Weiter so!