Persönliche Schlussfolgerungen

 
In den ersten beiden Teilen habe ich dargelegt, dass sowohl in Natur, als auch in Kultur Aggressionen und Gewalt einen recht großen Teil der Menschen einnimmt. Sowohl im Kollektiv, als auch im Individuum. Natürlich gibt es in der Geschichte auch immer wieder Beispiele dafür, dass ein Gewaltfreier Lebenswandel postuliert wird.
 
Sowohl im Buddhismus als auch in den Lehren von Jesus von Nazareth wird Gewaltfreiheit und Duldsamkeit postuliert. Auch im Shintoismus ist das dulden ein Wesentliche Bestandteil. Sowohl in der Christenheit, als auch in Shintoismus wurde der Gedanke allerdings von Eliten dazu genutzt Gewaltfreiheit und Duldsamkeit vor allen Dingen von anderen zu fordern.
 
Ich halte es für notwendig, dass eine Gesellschaft anstrebt unkontrollierte und offene Gewalt zu unterbinden. Niemand kann sich eine Gesellschaft wünschen in der der stärkere, oder auch der stärker bewaffnete immer gewinnt und sich nimmt was er will. Gesetze und Regeln sind unverzichtbar in Gesellschaften ab einer bestimmten Größe. Momentan lässt sich im intellektuellen Teil der Gesellschaft eine Richtung beobachten, die die den Menschen inhärente Aggression allerdings verdammen und zu Gewaltfreiheit in Denken, Sprache und Handeln auffordern.
 
Es gibt den Wunsch nach einer cleanen Gesellschaft. Niemand will und darf sehen, wie Tiere geschlachtet werden, die hinterher zum Abendessen werden. Darstellungen von Kriegen in den Medien erinnern mit ihren grün-schwarzen Nachtsicht-Bildern eher an Computerspiele als die Realität. Auch in Hollywood Blockbustern wird in HD, Clean und in Zeitlupe gestorben. In Filmen wird eine Ästhetik des Sterbens entwickelt, der immer öfter auch die Nachrichten folgen.
 
Gleichzeitig dürfen sich Kinder nicht mehr schmutzig machen oder prügeln und Menschen die offen zugeben, dass sie sich mal gerne Prügeln werden an den primitiven Rand der Gesellschaft geschoben. Genauso ist es vor Jahren auch mit Hooligans passiert. Bengalos, aggressive Fangesänge und Hools die sich nach dem Spiel gegenseitig auf die Mütze hauen passen nicht mehr in die cleane Medienwelt. Also wurden sie verdrängt und geächtet.
 
Um die Gesellschaft der Hools zu verstehen wie sie vor einigen Jahren noch war sei folgendes Video zu empfehlen: LINK
 
Hier kann man sehr gut sehen wie der Kampf zwischen den Hools abläuft. Es geht nicht darum den Opponenten zum Krüppel zu schlagen. Gegner die auf dem Boden liegen gelten als besiegt und werden nicht weiter bedrängt. Nach dem Kampf sieht man in dem Video, dass vereinzelt sogar Kölner Hools durch die Reihen der Frankfurter gehen aber nicht weiter bedrängt werden. Man sieht eine sehr ritualisierte Form der Gewalt und Aggression in die keine Unbeteiligten verwickelt werden. Diese Hools waren übrigens seit jeher eher unpolitisch. Dadurch, dass die Hools aber immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, war es für Nationalsozialistische Gruppen ein leichtes einen Teil der Hool-Gesellschaft zu politisieren und vor den eigenen Karren zu spannen.
 
Das Problem von HoGeSa ist also kein Neues. Es ist auch nicht überraschend. Es ist schlicht und ergreifend die Kombination aus Xenophobie, Aggression und Neugier. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass man HoGeSa als Naturgegeben einfach so akzeptieren muss oder sollte. Allerdings wird ein verbannen aus den Stadien nicht helfen. Es ist auch nicht damit getan ein paar Streetworker da hin zu schicken, oder das Versammlungsrecht einzuschränken.
 
Vielleicht müssen wir uns von der cleanen Gesellschaft verabschieden. Dinge deutlich zeigen und beim Namen nennen. Bei Berichten aus Krisengebieten hilft es nicht aufmarschierende Konvois zu zeigen oder Onboard-Lichtverstärker-Bilder von Raketeneinschlägen. Ehrliche Nachrichten zeigen auch die Opfer.
 
Es ist auch der falsche Weg Bengalos und Hools aus den Stadien zu verdrängen. Ja man muss darauf achten, dass Hools nicht auf friedliche Fans losgehen. Aber sie sind ein Teil der Fankultur. Sich die Augen vor der Realität zuzuhalten hilft noch bei kleinen Kindern die sich vormachen die Gefahr wäre dann weg. In aufgeklärten Gesellschaften ist das ein eher jämmerlicher Versuch.
 
Meiner Meinung nach braucht es auch in unserer Gesellschaft ritualisierte, gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeiten seine Aggressionen auszuleben. Ein Ventil das dabei den strengen Regeln von „sane, save, consensual“ unterworfen ist. Eine cleane, gewaltfreie, politische korrekte Welt in der man nur die Hochglanzbilder von gephotoshoppten Realitätskarrikaturen präsentiert bekommt wirkt ansonsten schnell wie ein sozialer Schnellkochtopf.
 
Momentan habe ich auch keine Idee wie so ein Ventil aussehen könnte. Ein Anfang wäre es allerdings, sich Gedanken darüber zu machen, dass Menschen einfach nicht als politisch korrekte, gewaltfreie Veganer geboren werden.
 
Es entbehrt nicht einer gewissen Hybris die Forderung zu postulieren, dass Menschen nur aus der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten paar Jahre entsprechen sollen und nicht einer Entwicklung von 7 Millionen Jahren.
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Ein Gedanke zu “Persönliche Schlussfolgerungen

  1. Aggressionen gehören zum Menschen, sind ein überlebensnotwendiges uraltes und tief im Menschen verankertes Programm. Sie als natürlich zu leugnen und zu unterdrücken, ist unmöglich und daher der falsche Weg. Entscheidend für die Menschheit wird sein, die Aggression als natürlich für jeden Menschen anzunehmen und zu lernen, wie die Aggression konstruktiv ausgelebt werden kann, statt in destruktiven Handlungen zu münden.

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