„Du bist was du isst!“ „Ich bin eine Banane?“

Eine Diskussion auf Twitter bringt mich dazu eine Blogbeitrag über Ernährung und Verbraucherbildung zu schreiben. Ursprung des ganzen war, dass ich seit einiger Zeit jeden Tag mein Smoothie-Rezept des Tages poste und am Ende eines Gesprächs Lainee meinte:

Glückskind ‏@lainee42
„Nahrungsumstellung ist auch ein Thema, was sehr emotional gehandelt wird. Warum nur? Weil es bedeutet, Altgewohntes für Neues aufzugeben?“

Es stimmt. Momentan schein es in meinem Umfeld zwei vorherrschende Extreme zu geben. Die einen leben Biologisch-Dynamisch-Vegan und die anderen Viel-Warm-Lecker. Um da gleich vornweg zu sagen: Natürlich gibt es auch ganz viele andere, die ihren Weg in der Mitte gefunden haben, aber da es sich hübschen mit Extremen argumentieren lässt nehme ich erstmal die 😉 Diese beiden Extreme spiegeln sich nämlich auch sehr schön in den momentan beworbenen Nahrungsprodukten.

Selbstverständlich kann sich jeder Mensch ernähren wie er will. Nur hat das was wir essen natürlich Auswirkungen auf unseren körperlichen Zustand.

Aber ist das wirklich so einfach zu sagen? Fangen wir mal mit empirischer Wissenschaft an. Alle Ernährungsstudien die so zitiert werden haben nämlich einen entscheidenden Nachteil. Streng genommen sind sie nicht wissenschaftlich. Um dies zu sein müsste man nämlich eine randomisierte Gruppe Menschen nehmen und denen dann zufällig bestimmte Ernährungsweisen zuordnen. Anschließend vergleicht man Fitness, Blutwerte, subjektives Wohlbefinden etc. Dass es ethisch nicht ganz so super ist einem Veganer eine Fleischdiät zu verordnet sollte eigentlich jedem einleuchten. Da es solche Studien also nicht gibt ist es nicht möglich wissenschaftlich fundierte Aussagen dazu zu treffen welche Ernährung super ist und welche nicht. Vor einigen Jahren war es zum Beispiel so, dass Cholesterin der böse Gesundheitsvernichter war. Esst bloß nix mit Cholesterin, da ist der Herzinfarkt sicher. Heute weiß man, dass 90% des Cholesterins vom Körper selber produziert wird und über die Ernährung kaum zu beeinflussen ist. Natürlich, wenn man Risikopatient ist sollte man auf Cholesterinhaltige Nahrung verzichten, aber ein gesunder Mensch kann täglich 5 Eier essen ohne seiner Gesundheit zu schaden.

An diesem Beispiel sieht man, dass vermeintliches Wissen über Ernährung häufig nur eine kurze Halbwertszeit hat.

Für viele Menschen ist ihre Ernährung allerdings fast etwas Religiöses. Ich kenne zum Beispiel diverse Menschen die sagen: „Ich bin Veganer“ und nicht „Ich ernähre mich vegan.“ Diese Formulierung macht eines deutlich. Jemand der sagt „Ich bin Veganer“ identifiziert sich mit dieser Art der Ernährung. Es ist mehr als eine Art sich zu ernähren, es ist eine Lebenseinstellung. So gibt es denn auch verschiede Gründe eine vegane Ernährung zu wählen. 3 Gründe werden sehr häufig angegeben auf die ich hier näher eingehen möchte.

  1. Es ist viel gesünder!
    Tja das ist wirklich eine recht mutige Aussage. Wie oben bereits beschrieben gibt es dazu keine stichhaltige, empirische wirklich wissenschaftliche Studien. Da aber Menschen die sich vegan ernähren viel bewusster essen, und sich schon aus rein praktischen Gründen sehr um ihre Ernährung kümmern müssen, kann man davon ausgehen, dass sie mehr frische, unverarbeitete, nicht industrielle Lebensmittel mit wenig Zusatzstoffen zu sich nehmen. An da kommen vegan lebende Menschen dann nach einiger Zeit zu einem Problem. Dem berühmten Vitamin B12. B12 tritt als sogenanntes Co-Enzym auf und ist wichtiger Bestandteile Aminosäuren-Stoffwechsels. Bei einem Mangel an B12 kommt es funktionellen Anämien, Störungen in der Leukozythensynthese und Neuropathien. Leider kann man Vitamin B12 in ausreichenden Mengen nur über Fleisch, speziell Innereien, oder aber als künstlicher Nahrungsmittelzusatz zu sich nehmen. Sprich vegan lebende Menschen sind auf künstliches Vitamin B12 angewiesen, da sie sonst mit der Zeit Mangelerscheinungen erleiden. Ob das Gesund ist muss man für sich selbst entscheiden.
  2. Die armen Tiere
    Viele geben Tierschutz als Grund für vegane Ernährung an. Als engagierter Tierschützer freu ich mich darüber sehr. Leider hat auch dieses Argument einen Haken. Die Produktion ausreichender Mengen eiweißreicher Pflanzen und anderem Obst und Gemüse kommt ohne Dünger nicht aus. Und Dünger kann entweder chemisch produziert werden, oder aber über Gülle aufgetragen werden. Und Gülle wird nun mal von Tieren produziert. Kann man die Frage stellen ob man nicht auch Menschliche Gülle nehmen könnte. Ja das könnte man theoretisch tun. Allerdings sind Menschliche Fäkalien durch Medikamente stark verunreinigt. Darüber hinaus gibt eine ganze Reihe Parasiten und Krankheiten die sich dadurch verbreiten, dass Menschen in Kontakt mit ihren eigenen Fäkalien kommen. Dadurch ist das nicht zu empfehlen. Bleibt also wieder Gülle von Tieren.
  3. Für Umwelt und Natur ist das viel besser
    Künstliches B12 und Kunstdünger habe ich ja oben schon erwähnt. Jetzt kommt aber noch etwas dazu. Vegan lebende Menschen brauchen alternative Eisweißquellen. Dafür kommen in erster Linie sogenannte Leguminosen in Frage. Leguminosen sind Pflanzen die reich an Aminosäuren sind. Aminosäuren sind die Bausteine von Eiweißen. Dementsprechend können solche Pflanzen als Eiweißquelle dienen. Die wichtigsten Leguminosen sind Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Sojabohnen und Erdnüsse. Diese Pflanzen entziehen Boden und Luft Stickstoff um daraus die Aminosäuren zu bauen. Bauern machen sich das zu Nutze indem sie diese Pflanzen als Gründünger benutzen und einfach nach der Reife unterpflügen. Boden braucht nämlich Stickstoff. Das Problem wenn man diese Pflanzen erntet und nicht unterpflügt ist, dass das die Böden auf Dauer auslaugt. Außerdem setzen Leguminosen CO2 frei was für die Umwelt dann auch nicht so schick ist. Was die CO2 Bilanz und den Zustand der Böden angeht ergibt sich aus veganer Ernährung keiner Vorteil. Zugegeben, auch kein Nachteil. Allerdings ist die Behauptung vegane Ernährung sei Umweltfreundlicher so nicht halten.

Damit ihr ich nicht Falsch versteht. Ich finds völlig ok, wenn Menschen sich vegan ernähren. Der einzig wirklich haltbare Grund dafür ist allerdings, wenn sich jemand durch vegane Ernährung wohler fühlt. Das ist es allemal wert.

Wenden wir uns dem anderen Extrem zu. Viel, warm, lecker. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland der Trend zu XXL-Restaurants durchgesetzt. Immer noch gibt es Menschen die meinen ein Restaurant sei dann wirklich gut, wenn man anständige Portionen bekommt. Die Pizzeria wird meist danach beurteilt wie schnell sie liefert und wie groß die Pizzen sind. Die Fernsehwerbung feiert Produkte die „Fingerfood für Fäuste“ sind.
Das Ganze hat noch einen weiteren Faktor. Immer wieder wird gesagt: „Da können sich Menschen die wenig Geld haben wenigstens noch satt essen!“

Und hier hörts dann bei mir wirklich auf. Die Idee man würde bei McDonalds mehr für sein Geld bekommen als wenn man selber kocht ist absurd. Eine große Portion Pommes bei der Pommes Bude bei mir um die Ecke kostet 2.10€ das sind ca. 200gr. Kartoffeln Entspricht einem Kilopreis von 10,50€. Ein Kilo Backofen-Pommes kosten ca. 2,50€. Ein Kilo Kartoffeln in Bioqualität kostet ca. 1 Euro. Das ist jetzt nur ein Beispiel dafür wie sich Menschen die wenig Geld haben wirklich satt essen können. Mit ein wenig Nachdenken kommt man aber auch von ganz alleine drauf. Wenn man Convenience-Food kauft bezahlt man die Fertigung natürlich mit. Da sind die Fabriken, die Löhne, mehrere Transportwege etc. Das fällt natürlich alles weg wenn man sein Essen selber zubereitet.

Und selbst wenn man nicht nur von Kartoffeln spricht. Ein Kilo Saisonales, regionales Obst bekommt man für ca. 2,00€ Gemüse für ca. 1,00€. Das große Loch in der Finanzkasse reißen Fleisch und Wurstwaren. Wenn man die in Anständiger Bioqualität haben will, dann ist das schon ein ganzes Stück teurer.
Ich verstehe weiß Gott jeden der gerne Steak, Pommes und Pizza isst. Ich mag das je selber gerne. Allerdings muss man sich dabei immer fragen was einem die Ernährung wert ist. Ich möchte kein halbes Hähnchen für 1,99 essen. Wenn ich dann überlege dass dieses Huhn keine 4,00 Euro wert ist. Davon werden noch der Gewinn von Endverkäufer, Zwischenhändler und Bauer abgezogen. Transportkosten, Lagerkosten und Betriebskosten gehen auch noch runter. Dieses Essen ist nur noch eins: Abfall.

Aber was stimmt denn nun und warum werden alle immer so Emotional wenn es ums Essen geht? Das ist eigentlich relativ einfach. Zum einen gibt es nicht die eine Wahrheit. Veganismus ist ok und Junkfoodanbetung ist es auch. Man sollte Menschen nur informieren woher das Essen kommt und was es mit einem macht.

Generell bin ich ein großer Verfechter davon sich bewusst zu machen was man isst und nicht anderen vorzuschreiben was sie zu essen haben.

Um dieses Bewusstsein zu schaffen brauchen wir allerdings Ideologiefreie Informationen. Und die bitte schon ab dem Kindergarten. Wenn in den Kindergarten dass Essen in Aluschalen geliefert wird, es aber Bildungsprogramme gibt, damit Kinder lernen, dass es dampft wenn Wasser kocht ist lächerlich. Warum nicht die Kinder schon ab dem Kindergarten mit in die Ernährung einbeziehen. Eine Bekannte hat ihr Kind in einer KiTa, in der die Kinder mit entscheiden was es zu essen gibt. Und was soll ich sagen. Diese Kinder wollen Äpfel, Möhren und Salat. Weil sie gelernt haben damit umzugehen.

Wir brauchen Verbraucherbildung in Grundschulen und Gymnasien. Um mündige Verbraucher zu haben, die informierte Entscheidungen treffen. Und wenn dann jemand dennoch Hardcore-Veganer oder Junkfood-Fetischist sein will, dann ist es halt so.
Also: Informiert euch was ihr esst. Esst was euch schmeckt und lernt wieder auf euren Körper zu hören. Genießt essen mit allen Sinnen. Und vor allen Dingen vergesst eines nicht:

Essen soll nicht nur nähren sondern auch Spaß machen.

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