Persönliche Schlussfolgerungen

 
In den ersten beiden Teilen habe ich dargelegt, dass sowohl in Natur, als auch in Kultur Aggressionen und Gewalt einen recht großen Teil der Menschen einnimmt. Sowohl im Kollektiv, als auch im Individuum. Natürlich gibt es in der Geschichte auch immer wieder Beispiele dafür, dass ein Gewaltfreier Lebenswandel postuliert wird.
 
Sowohl im Buddhismus als auch in den Lehren von Jesus von Nazareth wird Gewaltfreiheit und Duldsamkeit postuliert. Auch im Shintoismus ist das dulden ein Wesentliche Bestandteil. Sowohl in der Christenheit, als auch in Shintoismus wurde der Gedanke allerdings von Eliten dazu genutzt Gewaltfreiheit und Duldsamkeit vor allen Dingen von anderen zu fordern.
 
Ich halte es für notwendig, dass eine Gesellschaft anstrebt unkontrollierte und offene Gewalt zu unterbinden. Niemand kann sich eine Gesellschaft wünschen in der der stärkere, oder auch der stärker bewaffnete immer gewinnt und sich nimmt was er will. Gesetze und Regeln sind unverzichtbar in Gesellschaften ab einer bestimmten Größe. Momentan lässt sich im intellektuellen Teil der Gesellschaft eine Richtung beobachten, die die den Menschen inhärente Aggression allerdings verdammen und zu Gewaltfreiheit in Denken, Sprache und Handeln auffordern.
 
Es gibt den Wunsch nach einer cleanen Gesellschaft. Niemand will und darf sehen, wie Tiere geschlachtet werden, die hinterher zum Abendessen werden. Darstellungen von Kriegen in den Medien erinnern mit ihren grün-schwarzen Nachtsicht-Bildern eher an Computerspiele als die Realität. Auch in Hollywood Blockbustern wird in HD, Clean und in Zeitlupe gestorben. In Filmen wird eine Ästhetik des Sterbens entwickelt, der immer öfter auch die Nachrichten folgen.
 
Gleichzeitig dürfen sich Kinder nicht mehr schmutzig machen oder prügeln und Menschen die offen zugeben, dass sie sich mal gerne Prügeln werden an den primitiven Rand der Gesellschaft geschoben. Genauso ist es vor Jahren auch mit Hooligans passiert. Bengalos, aggressive Fangesänge und Hools die sich nach dem Spiel gegenseitig auf die Mütze hauen passen nicht mehr in die cleane Medienwelt. Also wurden sie verdrängt und geächtet.
 
Um die Gesellschaft der Hools zu verstehen wie sie vor einigen Jahren noch war sei folgendes Video zu empfehlen: LINK
 
Hier kann man sehr gut sehen wie der Kampf zwischen den Hools abläuft. Es geht nicht darum den Opponenten zum Krüppel zu schlagen. Gegner die auf dem Boden liegen gelten als besiegt und werden nicht weiter bedrängt. Nach dem Kampf sieht man in dem Video, dass vereinzelt sogar Kölner Hools durch die Reihen der Frankfurter gehen aber nicht weiter bedrängt werden. Man sieht eine sehr ritualisierte Form der Gewalt und Aggression in die keine Unbeteiligten verwickelt werden. Diese Hools waren übrigens seit jeher eher unpolitisch. Dadurch, dass die Hools aber immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, war es für Nationalsozialistische Gruppen ein leichtes einen Teil der Hool-Gesellschaft zu politisieren und vor den eigenen Karren zu spannen.
 
Das Problem von HoGeSa ist also kein Neues. Es ist auch nicht überraschend. Es ist schlicht und ergreifend die Kombination aus Xenophobie, Aggression und Neugier. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass man HoGeSa als Naturgegeben einfach so akzeptieren muss oder sollte. Allerdings wird ein verbannen aus den Stadien nicht helfen. Es ist auch nicht damit getan ein paar Streetworker da hin zu schicken, oder das Versammlungsrecht einzuschränken.
 
Vielleicht müssen wir uns von der cleanen Gesellschaft verabschieden. Dinge deutlich zeigen und beim Namen nennen. Bei Berichten aus Krisengebieten hilft es nicht aufmarschierende Konvois zu zeigen oder Onboard-Lichtverstärker-Bilder von Raketeneinschlägen. Ehrliche Nachrichten zeigen auch die Opfer.
 
Es ist auch der falsche Weg Bengalos und Hools aus den Stadien zu verdrängen. Ja man muss darauf achten, dass Hools nicht auf friedliche Fans losgehen. Aber sie sind ein Teil der Fankultur. Sich die Augen vor der Realität zuzuhalten hilft noch bei kleinen Kindern die sich vormachen die Gefahr wäre dann weg. In aufgeklärten Gesellschaften ist das ein eher jämmerlicher Versuch.
 
Meiner Meinung nach braucht es auch in unserer Gesellschaft ritualisierte, gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeiten seine Aggressionen auszuleben. Ein Ventil das dabei den strengen Regeln von „sane, save, consensual“ unterworfen ist. Eine cleane, gewaltfreie, politische korrekte Welt in der man nur die Hochglanzbilder von gephotoshoppten Realitätskarrikaturen präsentiert bekommt wirkt ansonsten schnell wie ein sozialer Schnellkochtopf.
 
Momentan habe ich auch keine Idee wie so ein Ventil aussehen könnte. Ein Anfang wäre es allerdings, sich Gedanken darüber zu machen, dass Menschen einfach nicht als politisch korrekte, gewaltfreie Veganer geboren werden.
 
Es entbehrt nicht einer gewissen Hybris die Forderung zu postulieren, dass Menschen nur aus der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten paar Jahre entsprechen sollen und nicht einer Entwicklung von 7 Millionen Jahren.

Aggression in Gruppen vs. Individuelle Aggression

 
Neben der angeborenen Natur ist die Kultur der zweite große Einfluss auf unser Verhalten. Dabei bezeichne ich im Folgenden alles was nicht zur Natur zählt und angeboren ist als Kultur.
 
Dass Aggressionen ein Grundfeature des Menschen sind mag man auch daran ablesen, dass ein großer Teil der Gesetze und Regelungen, die Kulturschaffende Menschen erfunden haben, sich damit beschäftigen der menschlichen Aggression einen Riegel vor zu schieben. Im Sachsenspiegel, eine Rechtssammlung aus dem 13. Jahrhundert findet sich Straf- und Zivilrecht. Und wenn man noch weiter zurück geht kann man auch die 10 Gebote als frühen Rechtserlass sehen. Und schon bei diesen 10 simplen Sätzen befindet sich „du sollst nicht töten“. Mit Sicherheit wurde dieser Satz nicht in die 10 Gebote geschrieben weil Mord niemals vorgekommen ist. Ein weiterer Satz im alten Testament ist das berühmte „Auge um Auge – Zahn um Zahn“. Aus heutiger Sicht mögen einem diese Worte unglaublich rachsüchtig und archaisch erscheinen. Wird hier doch vermeintlich dazu aufgefordert Rache zu nehmen. Wenn dir jemand Gewalt antut, so zahle es ihm mit gleicher Münze zurück.
 
Aus damaliger Perspektive war diese Formulierung allerdings ein deutlicher zivilisatorischer Fortschritt. Anders formuliert könnte man auch sagen: „Wenn dir jemand einen Zahn ausschlägt, darfst du ihm auch nur den Zahn ausschlagen. Nicht mehr.“ In den damaligen Gesellschaften war es nämlich durchaus üblich Gewalt mit dem 10fachen heim zu zahlen. Dadurch wurden ganze Familien ausgelöscht.
 
Ich stelle die These auf, dass Regelungen nur erlassen wurden, weil sie notwendig erschienen. Hätte es keine Probleme mit ausufernden Formen von Aggression und Gewalt gegeben, hätten diese Sätze wohl niemals ihren Weg in die Geschichte gefunden.
 
Machen wir wieder den Schritt ins Mittelalter. Niemand wird wohl behaupten, dass Mittelalter wäre Gewaltarm gewesen. Allerdings gibt es auch schon hier versuche Aggressionen und Gewalt zu kanalisieren. Als erstes Beispiel nenne ich hier den sogenannten Buhurt. Der Buhurt war ein gesellschaftliches Event häufig im Rahmen von Ritterturnieren. Hier standen sich große Gruppen von Kämpfern in einer Art Arena gegenüber. Ziel des ganzes war es dabei aber nicht die gegnerische Mannschaft zu töten, sondern kampfunfähig zu machen oder so in die Ecke zu drängen, dass man sie gänzlich eingekesselt hat. Das ganze galt anfangs als Kriegsmanöver, hat sich aber relativ schnell zu einer Art Sport entwickelt. Arten eines solchen Buhurts haben sich bis in die Renaissance in sogenannten Bürgerturnieren gerettet. In Venedig und den Niederlanden gab es und gibt es noch heute sogenannte Schifferstechen bei denen sich die gegnerischen Mannschaften versuchen mit Lanzen vom Boot ins Wasser zu stoßen.
 
Ich könnte hier noch viele weitere Beispiele für Formen ritualisierter Gruppengewalt bringen. Aber ich denke der Punkt sollte klar geworden sein. Es gibt ein menschliches Grundbedürfnis sich in Gruppen auf die Mütze zu hauen, welches die Jahrhunderte überlebt. Da das Risiko relativ groß ist wenn man unkontrolliert und ohne Regeln dem eigenen Aggressionsbedürfnis nachgibt und in Gruppen Gewalt ausübt, hat der Kultur schaffende Mensch genau dafür Ventile entwickelt. 
 
Viele dieser Ventile gelten in der heutigen Gesellschaft aber entweder als primitiv, oder aber sind den Sporteliten vorbehalten, da Breitensport immer weniger gefördert wird als Elitensport. So ist die Zahl der Menschen, die bequem vom heimischen Sofa aus einen Boxkampf anschauen um ein Vielfaches größer, als die Zahl der Mitglieder in Boxclubs. Wir können also eine Art Stellvertreter-Gewalt beobachten. Was meiner Meinung nach die Konsequenzen davon sind werde ich im dritten Teil des Blogs näher beleuchten.
 
Natürlich gab und gibt es nicht nur die Gruppenaggression, sondern selbstverständlich auch ein individuelles Aggressionspotential. Da sich dieses allerdings sehr von der kollektiven Aggression unterscheidet und sich auch von Mensch zu Mensch sehr stark unterscheidet, will ich darauf nur ganz kurz eingehen. Es gibt Psychologen die die These verbreiten, dass es letzten Endes nur 2 Triebe gibt. Den der Selbsterhaltung und den der Arterhaltung. Wobei der Trieb der Selbsterhaltung bei gesunden Menschen immer stärker entwickelt ist, als der zur Arterhaltung. Das ändert sich immer nur in Zeiten großer Katastrophen in denen Menschen unter Umständen das Selbst der Art hinten anstellen. Während kollektive Aggressionen eher den Trieb der Arterhaltung ansprechen, wird die individuelle Aggression eher der Selbsterhaltung gerecht. Normalerweise richtet sich die individuelle Gewalt nach außen, kann sich in einigen Fällen aber auch nach innen richten. Individuelle Aggression bricht sich wesentlich seltener Bahnen als kollektive. Auch hier gibt es ritualisierte Formen. Schlagende Verbindungen, die sich mit Säbeln hoch ritualisiert Verletzungen gegenseitig zufügen, Boxer, oder die Beziehung zwischen DOM und sub in einem BDSM Verhältnis sollen hier nur einige kurze Beispiele sein wie sich individuelle Gewalt zeigen kann.
 
Mir ist es wichtig an dieser Stelle zu sagen, dass ich keines der von mir genannten Beispiele individueller oder kollektiver Gewalt als richtig oder falsch darstellen möchte. Moral und Wertungen sind immer von der jeweiligen Gesellschaft gemacht und relativ willkürliche Erfindungen. Wer die Gesetze und Gesellschaftsformen in unterschiedlichen Teilen der Welt vergleicht wird relativ schnell feststellen, dass es tausende von unterschieden gibt. Etwas, dass in der einen Gesellschaft absolut akzeptiert, und sogar gewünscht ist, wird in einer anderen vielleicht schon als Tabubruch gesehen.
 
Auch eine Beurteilung dieser Gesellschaftsformen in rückständiger, oder weiter entwickelt steht mir nicht zu und werde ich hier nicht vornehmen. Wenn solche Einstufungen vorgenommen werden ist nämlich fast immer die Beobachtung vorzunehmen, dass die eigene Lebensweise als die fortschrittliche und die andere, fremdere als Rückständig angesehen wird.
 
Auch hier zeigt sich mal wieder, wie tief Xenophobie in unserem Anlagen verankert ist.
 

Evolutionsdruck und Aggression als Überlebensmechanismus

 
Vor ca. 6-7 Millionen Jahren verließen wahrscheinlich die ersten aufrecht gehenden Hominiden die Urwälder Afrikas um fortan eine Leben in der Savanne zu führen. Man nimmt an, dass einer der wichtigsten Gründe dafür war, dass diese Individuen in großen Gruppen den wandernden Tierherden folgten. Für sie war es relativ einfach an große Mengen eiweißreicher Nahrung zu kommen indem sie sich von frisch verendeten Tieren ernährt haben. Entgegen früherer Annahmen gehen die meisten Forscher heutzutage davon aus, dass die ersten Menschen demnach keine Jäger, sondern streng genommen Aasfresser waren.
 
Dennoch war dies eine relativ gefährliche Zeit für diese Frühmenschen. Andere Hominidenstämme und Raubtiere gefährdeten die Sicherheit der eigenen Gruppe jeden Tag. Beim Zusammentreffen mit Gefahren gab es nur zwei mögliche Handlungsweisen. Die Flucht der Gruppe oder die Gunst des ersten Angriffs. Flucht hat dabei den Nachteil, dass man unter Umständen vielversprechende Nahrungsquellen aufgeben musste. Ein Abschätzen der Risiken und ein Angriff stellten für die Gruppe dabei einen elementaren Vorteil da. Je fremder dabei der Opponent, desto schwieriger das Abschätzen der Gefahr. In so einem Fall ist es von Vorteil das Fremde erstmal als größtmögliche Gefahr anzusehen. Eine Gruppe mit einem angeborenen Sinn für Xenophobie ist solchen gegenüber im Vorteil die diese Eigenschaft nicht hat. Xenophobie alleine führt allerdings nicht weiter. Sie sollte immer gepaart sein mit einem gewissen Maß an Neugierde. Eine rein Xenophobe Gruppe hätte den Dschungel wohlmöglich niemals verlassen.
 
Halten wir fest: Eine grundlegende Xenophobie gepaart mit Neugierde und der Eigenschaft das Gefährliche aktiv anzugreifen, stellte für eine Gruppe in der frühen Zeit der Menschheitsgeschichte einen immensen evolutiven Vorteil da.
 
Erst einige Zeit der Menschheitsgeschichte später führten eiweißreiche Ernährung, Aufrichten und das durch den aufrechten Gang bedingt frei werden der vorderen Gliedmaße zu einem Anstieg der Hirnvolumen und einer Vermehrung der Neuronen. Es bildete sich der sogenannte Neocortex aus. In diesem Neocortex liegen die sogenannten höheren Funktionen des Verstandes. Hier befinden sich Gewissen, Sprache, Empathie und so weiter.
 
In der Menschheitsgeschichte haben sich also Xenophobie, Neugierde und Aggression deutlich vor den höheren Funktionen wie Gewissen, Sprache und Empathie entwickelt.
 
Noch viel später kam zu den angeborenen Programmen so etwas wie Kultur. Jede Art von Gerechtigkeitsmodell, Partnerschaften und Kunst sind damit nicht Teil der Natur des Menschen, sondern Teil der Kultur. Kultur wird über Meme entwickelt und weiter gegeben. In diesem Bereich sind selbstverständlich auch die Religionen anzusiedeln. Dem Bereich der Kultur werde ich mich im nächsten Teil meines Blogs näher widmen.
 
Der Boden und Kern aller Kultur ist dabei aber immer die Natur. Bei allen Betrachtungen von Gewalt und Aggression darf man also nicht ausser Acht lassen, dass der Menschheit eine Kombination aus Aggression, Xenophobie und Neugierde mit in die Wiege gelegt wurde. Die meisten Gesellschaften heutzutage haben unterschiedliche Arten mit diesem Erbe umzugehen.
 

Regel No.1 Keiner spricht über den Fightclub

Die Diskussionen nach den heftigen Gewaltausbrüchen rund um die HoGeSa Demonstrationen in Köln haben mich sehr nachdenklich gemacht. Die meisten Diskussionen drehten sich um einen Ausbruch rechter Gewalt. Manche haben sich verzweifelt bemüht die Verbindung zum Fußball und zu Gewalt in Stadien zu ziehen. Die CDU fabulierte sich wie immer was von „aber es gibt auch Linke Gewalt“ zusammen. Hooligans, Ultras, FußballFans und Nazis wurden schnell in einen Topf geworfen und einmal geschüttelt, bis kaum noch auseinander gehalten wurde was da wirklich passiert ist. Die Frage nach dem warum wurde kaum gestellt, weil eigentlich jeder gleich seine Antwort nach dem warum parat hatte. Dabei sind einfache Muster bevorzugt. In den ganzen Debatten habe ich eigentlich keinen einzigen Beitrag dazu gesehen, der sich zur menschlichen Gewaltbereitschaft und Aggressivität selber geäußert hat, geschweige denn Konsequenzen aufzeigen konnte der Über „mehr Polizei“, „Nazis müssen weg“, oder „Fußball ist was für Proleten“ ging. Die vorsichtigen unter den Diskutierenden wollen lieber Diskussionsrunden um erstmal zu schauen woran man eigentlich ist.
 
Ein Blick in die Menschheitsgeschichte würde da sicherlich helfen. Diese Diskussionen werden wohl seit Jahrhunderten geführt und meiner Meinung nach sind die Gewaltausbrüche in Köln auch weit davon entfernt etwas Neues zu sein, was man so noch nicht erlebt hat.
 
Die Menschheitsgeschichte ist geprägt von sich immer wiederholenden Ausbrüchen von Gewalt und Aggression, wobei Gewalt die physische Repräsentation der Aggression ist. Revolutionen, Krieg und Gewaltherrschaften gibt es in allen Gesellschaften und Regionen der Erde. Die momentan in Großteilen der Welt vorherrschende sehr lange Friedensperiode stellt eine große Ausnahme da und sollte von uns allen als Privileg angesehen werden, dass wir das Glück haben in den eher friedlichen Regionen und zu diesem Zeitpunkt zu leben.
 
Die momentane Zeit des Friedens, die von 1945 bis heute andauert, und in absehbarer Zeit auch kein Ende vermuten lässt, ist nach der Zeit zwischen 1871 und 1914. Wobei man diese frühere Friedensperiode deutlich mit Vorsicht geniessen muss, da sie sich in einer Zeit der militärischen Kolonialpolitik befindet und daher für die folgenden Argumente kaum in Betracht zu ziehen ist. Dazu aber später mehr.
 
In diesen drei Blogbeiträgen gehe ich auf die einzelnen Aspekte ein:
(anklickbare Textlinks)
 
 
Die von mir aufgestellten Thesen sind dabei natürlich nicht als streng wissenschaftlich zu betrachten. Sie sind eine sehr persönliche Sichtweise und erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich werde versuchen Faktenlage und persönliche Einschätzung voneinander zu trennen und auch sichtbar zu machen.
 
Viel Spaß beim Lesen und wie immer freue ich mich über Kommentare.

„Du bist was du isst!“ „Ich bin eine Banane?“

Eine Diskussion auf Twitter bringt mich dazu eine Blogbeitrag über Ernährung und Verbraucherbildung zu schreiben. Ursprung des ganzen war, dass ich seit einiger Zeit jeden Tag mein Smoothie-Rezept des Tages poste und am Ende eines Gesprächs Lainee meinte:

Glückskind ‏@lainee42
„Nahrungsumstellung ist auch ein Thema, was sehr emotional gehandelt wird. Warum nur? Weil es bedeutet, Altgewohntes für Neues aufzugeben?“

Es stimmt. Momentan schein es in meinem Umfeld zwei vorherrschende Extreme zu geben. Die einen leben Biologisch-Dynamisch-Vegan und die anderen Viel-Warm-Lecker. Um da gleich vornweg zu sagen: Natürlich gibt es auch ganz viele andere, die ihren Weg in der Mitte gefunden haben, aber da es sich hübschen mit Extremen argumentieren lässt nehme ich erstmal die 😉 Diese beiden Extreme spiegeln sich nämlich auch sehr schön in den momentan beworbenen Nahrungsprodukten.

Selbstverständlich kann sich jeder Mensch ernähren wie er will. Nur hat das was wir essen natürlich Auswirkungen auf unseren körperlichen Zustand.

Aber ist das wirklich so einfach zu sagen? Fangen wir mal mit empirischer Wissenschaft an. Alle Ernährungsstudien die so zitiert werden haben nämlich einen entscheidenden Nachteil. Streng genommen sind sie nicht wissenschaftlich. Um dies zu sein müsste man nämlich eine randomisierte Gruppe Menschen nehmen und denen dann zufällig bestimmte Ernährungsweisen zuordnen. Anschließend vergleicht man Fitness, Blutwerte, subjektives Wohlbefinden etc. Dass es ethisch nicht ganz so super ist einem Veganer eine Fleischdiät zu verordnet sollte eigentlich jedem einleuchten. Da es solche Studien also nicht gibt ist es nicht möglich wissenschaftlich fundierte Aussagen dazu zu treffen welche Ernährung super ist und welche nicht. Vor einigen Jahren war es zum Beispiel so, dass Cholesterin der böse Gesundheitsvernichter war. Esst bloß nix mit Cholesterin, da ist der Herzinfarkt sicher. Heute weiß man, dass 90% des Cholesterins vom Körper selber produziert wird und über die Ernährung kaum zu beeinflussen ist. Natürlich, wenn man Risikopatient ist sollte man auf Cholesterinhaltige Nahrung verzichten, aber ein gesunder Mensch kann täglich 5 Eier essen ohne seiner Gesundheit zu schaden.

An diesem Beispiel sieht man, dass vermeintliches Wissen über Ernährung häufig nur eine kurze Halbwertszeit hat.

Für viele Menschen ist ihre Ernährung allerdings fast etwas Religiöses. Ich kenne zum Beispiel diverse Menschen die sagen: „Ich bin Veganer“ und nicht „Ich ernähre mich vegan.“ Diese Formulierung macht eines deutlich. Jemand der sagt „Ich bin Veganer“ identifiziert sich mit dieser Art der Ernährung. Es ist mehr als eine Art sich zu ernähren, es ist eine Lebenseinstellung. So gibt es denn auch verschiede Gründe eine vegane Ernährung zu wählen. 3 Gründe werden sehr häufig angegeben auf die ich hier näher eingehen möchte.

  1. Es ist viel gesünder!
    Tja das ist wirklich eine recht mutige Aussage. Wie oben bereits beschrieben gibt es dazu keine stichhaltige, empirische wirklich wissenschaftliche Studien. Da aber Menschen die sich vegan ernähren viel bewusster essen, und sich schon aus rein praktischen Gründen sehr um ihre Ernährung kümmern müssen, kann man davon ausgehen, dass sie mehr frische, unverarbeitete, nicht industrielle Lebensmittel mit wenig Zusatzstoffen zu sich nehmen. An da kommen vegan lebende Menschen dann nach einiger Zeit zu einem Problem. Dem berühmten Vitamin B12. B12 tritt als sogenanntes Co-Enzym auf und ist wichtiger Bestandteile Aminosäuren-Stoffwechsels. Bei einem Mangel an B12 kommt es funktionellen Anämien, Störungen in der Leukozythensynthese und Neuropathien. Leider kann man Vitamin B12 in ausreichenden Mengen nur über Fleisch, speziell Innereien, oder aber als künstlicher Nahrungsmittelzusatz zu sich nehmen. Sprich vegan lebende Menschen sind auf künstliches Vitamin B12 angewiesen, da sie sonst mit der Zeit Mangelerscheinungen erleiden. Ob das Gesund ist muss man für sich selbst entscheiden.
  2. Die armen Tiere
    Viele geben Tierschutz als Grund für vegane Ernährung an. Als engagierter Tierschützer freu ich mich darüber sehr. Leider hat auch dieses Argument einen Haken. Die Produktion ausreichender Mengen eiweißreicher Pflanzen und anderem Obst und Gemüse kommt ohne Dünger nicht aus. Und Dünger kann entweder chemisch produziert werden, oder aber über Gülle aufgetragen werden. Und Gülle wird nun mal von Tieren produziert. Kann man die Frage stellen ob man nicht auch Menschliche Gülle nehmen könnte. Ja das könnte man theoretisch tun. Allerdings sind Menschliche Fäkalien durch Medikamente stark verunreinigt. Darüber hinaus gibt eine ganze Reihe Parasiten und Krankheiten die sich dadurch verbreiten, dass Menschen in Kontakt mit ihren eigenen Fäkalien kommen. Dadurch ist das nicht zu empfehlen. Bleibt also wieder Gülle von Tieren.
  3. Für Umwelt und Natur ist das viel besser
    Künstliches B12 und Kunstdünger habe ich ja oben schon erwähnt. Jetzt kommt aber noch etwas dazu. Vegan lebende Menschen brauchen alternative Eisweißquellen. Dafür kommen in erster Linie sogenannte Leguminosen in Frage. Leguminosen sind Pflanzen die reich an Aminosäuren sind. Aminosäuren sind die Bausteine von Eiweißen. Dementsprechend können solche Pflanzen als Eiweißquelle dienen. Die wichtigsten Leguminosen sind Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Sojabohnen und Erdnüsse. Diese Pflanzen entziehen Boden und Luft Stickstoff um daraus die Aminosäuren zu bauen. Bauern machen sich das zu Nutze indem sie diese Pflanzen als Gründünger benutzen und einfach nach der Reife unterpflügen. Boden braucht nämlich Stickstoff. Das Problem wenn man diese Pflanzen erntet und nicht unterpflügt ist, dass das die Böden auf Dauer auslaugt. Außerdem setzen Leguminosen CO2 frei was für die Umwelt dann auch nicht so schick ist. Was die CO2 Bilanz und den Zustand der Böden angeht ergibt sich aus veganer Ernährung keiner Vorteil. Zugegeben, auch kein Nachteil. Allerdings ist die Behauptung vegane Ernährung sei Umweltfreundlicher so nicht halten.

Damit ihr ich nicht Falsch versteht. Ich finds völlig ok, wenn Menschen sich vegan ernähren. Der einzig wirklich haltbare Grund dafür ist allerdings, wenn sich jemand durch vegane Ernährung wohler fühlt. Das ist es allemal wert.

Wenden wir uns dem anderen Extrem zu. Viel, warm, lecker. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland der Trend zu XXL-Restaurants durchgesetzt. Immer noch gibt es Menschen die meinen ein Restaurant sei dann wirklich gut, wenn man anständige Portionen bekommt. Die Pizzeria wird meist danach beurteilt wie schnell sie liefert und wie groß die Pizzen sind. Die Fernsehwerbung feiert Produkte die „Fingerfood für Fäuste“ sind.
Das Ganze hat noch einen weiteren Faktor. Immer wieder wird gesagt: „Da können sich Menschen die wenig Geld haben wenigstens noch satt essen!“

Und hier hörts dann bei mir wirklich auf. Die Idee man würde bei McDonalds mehr für sein Geld bekommen als wenn man selber kocht ist absurd. Eine große Portion Pommes bei der Pommes Bude bei mir um die Ecke kostet 2.10€ das sind ca. 200gr. Kartoffeln Entspricht einem Kilopreis von 10,50€. Ein Kilo Backofen-Pommes kosten ca. 2,50€. Ein Kilo Kartoffeln in Bioqualität kostet ca. 1 Euro. Das ist jetzt nur ein Beispiel dafür wie sich Menschen die wenig Geld haben wirklich satt essen können. Mit ein wenig Nachdenken kommt man aber auch von ganz alleine drauf. Wenn man Convenience-Food kauft bezahlt man die Fertigung natürlich mit. Da sind die Fabriken, die Löhne, mehrere Transportwege etc. Das fällt natürlich alles weg wenn man sein Essen selber zubereitet.

Und selbst wenn man nicht nur von Kartoffeln spricht. Ein Kilo Saisonales, regionales Obst bekommt man für ca. 2,00€ Gemüse für ca. 1,00€. Das große Loch in der Finanzkasse reißen Fleisch und Wurstwaren. Wenn man die in Anständiger Bioqualität haben will, dann ist das schon ein ganzes Stück teurer.
Ich verstehe weiß Gott jeden der gerne Steak, Pommes und Pizza isst. Ich mag das je selber gerne. Allerdings muss man sich dabei immer fragen was einem die Ernährung wert ist. Ich möchte kein halbes Hähnchen für 1,99 essen. Wenn ich dann überlege dass dieses Huhn keine 4,00 Euro wert ist. Davon werden noch der Gewinn von Endverkäufer, Zwischenhändler und Bauer abgezogen. Transportkosten, Lagerkosten und Betriebskosten gehen auch noch runter. Dieses Essen ist nur noch eins: Abfall.

Aber was stimmt denn nun und warum werden alle immer so Emotional wenn es ums Essen geht? Das ist eigentlich relativ einfach. Zum einen gibt es nicht die eine Wahrheit. Veganismus ist ok und Junkfoodanbetung ist es auch. Man sollte Menschen nur informieren woher das Essen kommt und was es mit einem macht.

Generell bin ich ein großer Verfechter davon sich bewusst zu machen was man isst und nicht anderen vorzuschreiben was sie zu essen haben.

Um dieses Bewusstsein zu schaffen brauchen wir allerdings Ideologiefreie Informationen. Und die bitte schon ab dem Kindergarten. Wenn in den Kindergarten dass Essen in Aluschalen geliefert wird, es aber Bildungsprogramme gibt, damit Kinder lernen, dass es dampft wenn Wasser kocht ist lächerlich. Warum nicht die Kinder schon ab dem Kindergarten mit in die Ernährung einbeziehen. Eine Bekannte hat ihr Kind in einer KiTa, in der die Kinder mit entscheiden was es zu essen gibt. Und was soll ich sagen. Diese Kinder wollen Äpfel, Möhren und Salat. Weil sie gelernt haben damit umzugehen.

Wir brauchen Verbraucherbildung in Grundschulen und Gymnasien. Um mündige Verbraucher zu haben, die informierte Entscheidungen treffen. Und wenn dann jemand dennoch Hardcore-Veganer oder Junkfood-Fetischist sein will, dann ist es halt so.
Also: Informiert euch was ihr esst. Esst was euch schmeckt und lernt wieder auf euren Körper zu hören. Genießt essen mit allen Sinnen. Und vor allen Dingen vergesst eines nicht:

Essen soll nicht nur nähren sondern auch Spaß machen.