Ausraster beim LPT – Erklärung und Entschuldigung

Wut

Wut

Einige haben ja mit Sicherheit mitbekommen, dass ich beim LPT142 in Kleve doch sehr die Kontrolle über mich verloren habe. Dabei habe ich  ziemlich übel die Versammlung beschimpft und verbal um mich getreten. Für dieses Verhalten möchte ich Euch um Verzeihung  bitten.

Berechtigt ist die Frage wie es überhaupt dazu kommen konnte. Wenn ich ganz ehrlich bin weiss ich selber nicht zu 100% warum das passiert ist und auch nicht genau was da überhaupt passiert ist. Dennoch will ich euch allen hier einmal darlegen wie es sich aus meiner Sicht darstellt.
 
Die letzten Wochen und Monate waren für mich persönlich eine schwierige Zeit. Einige haben mitbekommen, dass ich mich stressbedingt in Behandlung begeben habe wegen Herzrhythmusstörungen und anderen Stresssymptomen. Nein das soll kein heischen um Mitleid sein, sondern ist nur eine Beschreibung meiner Situation. Sie ist selbst gewählt, also muss  ich damit auch irgendwie klar kommen. Über meinen Stress hinaus durchleben auch einige Menschen in meinem persönlichen Umfeld zur Zeit  schwierige Zeiten, sei es finanziell, in der Beziehung oder auch andere  Krisen. Ich bin nunmal ein Mensch, der für Freunde bis zur Selbstaufgabe kämpft und das habe ich die letzten Monate oft getan. Nochmal: Dafür will ich kein Mitleid, weil ich das selbst so gewählt habe.
 
In  diesem Zustand der Erschöpfung bin ich dann zum LPT gefahren. Einige  reden in den letzten Tage davon, dass es eine Choreographie gegeben  hätte. Einen zu Grunde liegenden Plan was auf dem LPT passieren wird.  All denen muss ich sagen: Nein, die gab es nicht. Natürlich geht  man mit einer gewissen Erwartung in so einen Parteitag. Meine war mit  Sicherheit falsch. Dennoch habe ich nicht damit gerechnet, dass alle  des alten LaVos die kandidieren auch sicher wiedergewählt werden.
 
Schon bei den ersten Reden, den Diskussionen über die Versammlungsleitung im  Vorfeld und dem Bericht des Vorstandes habe ich gemerkt, dass ich echt feddich war. Sehr viele Menschen haben mir vorher gesagt: Ach is doch eigentlich wurscht was du da machst du wirst doch eh wieder gewählt. Mit sowas bin ich noch nie gut klar gekommen und ich bin auch sicher, dass da Menschen Erwartungen in meine Fähigkeiten und mein Wirken haben, die  ich eigentlich nur enttäuschen kann. Wenn einem ein Podest gebaut wird, kann man eigentlich nur fallen.
 
Dann kam der Wahlgang nach dem ich ausgetickt bin. Stephy bekam 49% und Volker 52%. Vor der Verkündung des Ergebnis wurde mir bereits von jemandem gesagt: „Jetzt bin ich mal auf dein Gesicht gespannt“ Das Ergebnis wurde  verkündet und mir ist zu diesem Zeitpunkt einfach alles aus dem Gesicht gefallen. Ich weiss bis heute nicht genau wieso, aber das hat mich heftig getroffen denn viele im letzten Vorstand waren nicht nur Kollegen, sondern Freunde. Nein der Wahlgang war keine Katastrophe. Er war ein Tropfen. Ein Tropfen, der einfach auf meine momentane Lage dazu gekommen ist und das sprichwörtliche Fass nicht hat überlaufen, sondern bersten  lassen. Ich bin noch nie in meinem ganzen Leben wirklich ausgerastet.  Ich bin immer der vermittelnde Diplomat gewesen. Möglicherweise mal unfair Menschen gegenüber, aber noch nie – wirklich noch nie – habe ich die Kontrolle verloren. Da schon.
 
Ich habe  angefangen die Versammlung zu beschimpfen, meine Freunde zu beschimpfen,  Menschen die mir nahe Stehen vor den Kopf zu stoßen. Wütend brüllend  bin ich daraufhin zur Wahlleitung und habe gesagt: Ich ziehe hiermit  meine Kandidatur zurück. Dann wieder raus aus dem Wahlbüro und vor die  Halle. Ich wollte einfach nur weg und raus. Was mir hier wichtig ist:  Ich habe NICHT gefordert einen Formfehler zu finden. Habe ich nicht und  werde ich nicht. Vorsichtshalber habe ich aber in der Woche nach dem  LPT nochmal den Wahlleiter gefragt, ob ich das bei meinem Ausraster  vielleicht doch gesagt habe. Aber auch der Wahlleiter hat mir bestätigt,  dass das jemand anderes war. Nein ich weiss nicht wer.

Während  ich dann vor der Halle auf und ab gerannt bin und wild geschimpft habe,  kamen immer mehr Menschen, die mich bearbeitet haben doch zu  kandidieren. Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr wie viele aber es waren  bestimmt 30 oder 40 Menschen die auf mich eingeredet haben, mich  trösten und beruhigen wollten, mich in den Arm genommen haben. Leider war ich nicht dazu in der Lage, in diesem Moment irgendwas davon anzunehmen.  Ganz im Gegenteil war ich zu diesem Zeitpunkt in einer emotionalen  Ausnahmesituation. Je mehr Leute kamen, umso schlimmer wurde es. Irgendwann habe ich dann mit der Faust vor die Wand geschlagen und ab da wird die Erinnerung etwas schwammig.

Durch  das betrachten der Aufzeichnung einige Tage später kann ich aber rekonstruieren was passiert ist. Während dieses Filmriss bin ich auf die  Bühne gegangen, habe eine rhetorisch sehr gute, aber inhaltlich krasse  Rede gehalten, habe Fragen beantwortet und wurde von knapp 67% der  anwesenden zum polGF gewählt.

Mein  Verhalten an dem Tag, und auch an den folgenden, war vollkommen  indiskutabel und unangemessen. Ich möchte nochmal bei den Menschen die  ich in den vergangenen Tagen verletzt habe um Verzeihung bitten.

Inzwischen  kann ich wieder einigermassen klar sehen und sehe mich auch wieder dazu  in der Lage meine Aufgabe zu erfüllen. Die Fraktion muss mit der Basis  versöhnt und verknüpft werden. Unsere Kommunalen Mandatsträger brauchen Hilfestellung und das Bild der Piraten in der Öffentlichkeit muss  repariert werden. Dafür wurde ich gewählt und das werde ich versuchen, so gut ich es eben kann, zu erfüllen.

Alles was ich in meiner Rede gesagt habe stimmt allerdings. Die Vorstände reiben sich in ihrer Arbeit für die Partei auf. Riskieren Job und  Gesundheit. Und das ist nicht gut. Wir brauchen euch. Wir brauchen die Basis. Wir brauchen Menschen, die einen Teil der Lasten mit übernehmen. Wenn wir wollen, dass diese Partei wieder in Fahrt kommt muss jeder  seinen Teil mittragen. Und das bedeutet nicht, dass man regelmäßig Mailinglisten liest oder jeden Tag die Fehler anderer Menschen sucht. Das bedeutet, dass man zum Beispiel 3-4 Stunden die Woche der Schatzmeisterei  hilft. Das bedeutet, dass man in den Arbeitskreisen in Kommunen oder im  Land mitarbeitet. Das bedeutet, dass man auch kommt wenn die Fraktion nach Input und Feedback fragt. Es liegt also nicht nur an den 9 Menschen im Landesvorstand, an den 19 Leuten in den Landtagsmandaten und den über 100 Leuten in den Stadträten und Kreistagen.
 
Es liegt an uns allen.