Der Aufschrei der Leisen

In den letzten Tagenüberschlagen sich in der Piratenpartei die Ereignisse. Der Auslöser, – aber nicht die Ursache – war eine Protestaktion in Dresden. Zwei Frauen, mutmaßlich Mitglieder der Piratenpartei, haben sich am Jahrestag der Bombardierung Dresdens in Dresden mit nacktem Oberkörper fotografieren lassen. Auf ihren Oberkörpern standen Botschaften mit „Thank you, Bomber-Harris“. Eine Welle der Empörung folgte. Die einen hielten diese Art des Protestes für respektlos gegenüber den zivilen Opfern in Dresden, wieder andere nannten die Aktion Parteischädigend. Im Gegenzug nannten die Befürworter der Aktion diese Empörung eine Relativierung der Naziverbrechen,mit der man sich auf eine Stufe mit der NPD stelle.

Parteiaustritte folgten und so haben einige Landesvorstände Statements zu dieser Aktion geschrieben,in der sie sich von der Art der des Protestes deutlich distanzierten, aber gleichzeitig zum Kampf gegen den braunen Sumpf bekannten.

In der Bugwelle dieser Statements kam es dann zum sogenannten #Orgastreik. Die immer im Hintergrund arbeitenden Piraten, die sich um Buchhaltung, Verwaltung und IT kümmern sind in einen Streik getreten. Laut eigener Aussage haben sie genug von der Art wie die Auseinandersetzung geführt wird und dem Umgang miteinander, wollen eine klare Positionierung vom BuVo und mehr politische Arbeit derer, die nicht Orga machen. (grob vereinfacht)

Doch warum diese riesige Welle? Warum dieser Aufschrei von Menschen die sich seit Jahren nicht zu Wort gemeldet haben und denen gerade im Rahmen des Streiks genau dies vorgeworfen wird?

Die Piratenpartei wurde 2006 von einer Gruppe Nerds gegründet.
Computer Nerds, Philosophie Nerds, Gesellschafts Nerds, Politik Nerds.
Menschen die nicht politikverdrossen waren, wie es ihnen immer vorgeworfen wurde, sondern Gestaltungswillen hatten. Sie wollten die Gesellschaft verändern. Den Geist der Digitalen Revolution in die Politik tragen.

Die Bewegung wuchs. Wurde immer großer. Am Anfang in kleinen Schritten, aber spätestens 2009 mit der Zensursula-Debatte wurde die kleine Nerdpartei zu einer großen parteipolitischen Bewegung.

Die Menschen die dazu kamen hatten alle ihre eigenen Wünsche, ihre eigenen Ziele. Das hat die Partei selbstverständlich bereichert und diese neuen Stimmen wurden, wenn auch mit Wachstumsschmerzen, gerne aufgenommen.

Irgendwann aber veränderte sich die Stimmung in der Partei. Während es eben noch um freie Netze, Postgender, Transparenz in politischen Systemen und Beteiligung der Bürger ging, ging es plötzlicher immer mehr um Sozialpolitik, Feminismus, Antifaschismus und Revolution.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde. Jedes einzelne davon ist ein Ziel, dass es wert sein mag dafür zu kämpfen. Nur wurden dadurch die Ursprünglichen Themen immer weiter verdrängt. Menschen die nur die ursprünglichen Ziele wollten, fühlten sich an den Rand gedrängt. Nicht mehr von der Partei repräsentiert. Ganze Interessensgruppen sahen mit Kopfschütteln zu, wie die ursprünglichen Ziele der Partei immer unwichtiger wurden.

Irgendwann wurde es dann zu einem: „Was du willst nicht das generische Femininum benutzen? Dann bist du ein Masku!“ „Alle Anträge müssen gegendert sein, sonst kann man da auf keinen zustimmen!“ „Das heisst nicht jemand, das heisst jemensch!“ „Du bist nicht für uns? Dann bist du gegen uns!“ „Ich finde mich durch deine offensive Sprache gestört, diese Creepercardist für dich!“ „Du findest die Aktion in Dresden scheisse? NAZI!“ „Ihr schaltet die IT kurz ab und arbeitet dann nicht mehr? DAS IST ERPRESSUNG!“

Den Nerds wurden Regeln aufgezwungen die nicht ihre waren und wer sich nicht daran hielt und dazu auch noch offen stand, wurde auf Twitter bloß gestellt, auf schwarze Listen verbannt und solange bedrängt bis sie die Regeln angenommen haben oder aber gegangen sind. Die Menschen, die mal für freie Netze, Transparenz und Mitsprache kämpfen wollten,fühlen sich mehr und mehr aus der Partei verdrängt.

Jetzt schreien sie auf. Das erste mal. Sie werden laut. Meiner Meinung
nach: Gott sei dank.

Doch wie kommen wir aus dieser Situation heraus? Pauschale Austritte von Menschen zu fordern deren politische Meinungen einem nicht genehm sind, ist völlig absurd.Den BuVo dafür verantwortlich machen ist mindestens genauso falsch.

MeinerMeinung nach ist der einzig gangbare Weg wieder zu unseren Themen zurück zu finden. Zum Herz dieser Partei zurück zu finden. Den Nerds wieder eine Stimme zu geben.

Die Politik braucht uns. Dringender als je zuvor.

Also macht niemandem Vorschriften wie er zu reden oder zu posten hat.
Wenn euch etwas nicht gefällt was jemand schreibt, lest es einfach nicht.

Lasst unsauf dem nächsten Parteitag gemeinsam festlegen wofür wir stehen wollen. Lasst uns gemeinsam entscheiden was die dringlichsten Themen sind an denen wir hart politisch arbeiten wollen.

Wenn ihr eine Aktion plant, überlegt VORHER was das mit dem Rest der Partei macht. Seidkeine Egoisten, die ihren Scheiss durchdrücken ohne die Anderen mitzunehmen.

Die Politik hat der Netzgesellschaft den Krieg erklärt und wir sind die einzige Partei die das mal auf dem Schirm hatte.

Wem das dann alles nicht passt, der muss sich überlegen, ob er wirklich in der richtigen Partei ist.

PS.: Natürlich ist das hier nur eine Sicht der Dinge. Nämlich meine. Für andere stellt sich die Situation anders da. Das macht diese Sicht hier aber nicht flasch. Bitte denkt drüber nach.

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32 Gedanken zu “Der Aufschrei der Leisen

  1. Danke für eine gute und ausführliche Erklärung der Lage, Jens. Durch Ergeignisse in der Heimat habe ich die ganze Geschichte einfach ausgeblendet – ich hatte schlicht keine Zeit und Lust mich damit zu beschäftigen 😦 Ich teile aber deine Einschätzung und denke, das größte Problem der Partei sind krankhafte Egos vieler (Neu)Mitglieder. Wie man damit umgeht, entscheidet jeder für sich selbst.

  2. Danke. Das fasst ziemlich gut zusammen, was in der letzten Zeit in der Piratenpartei schief gelaufen ist.
    Richtig ist: man kann gegen Nazis sein, aber trotzdem finden, dass die Bombadierung einer Stadt mit zehntausenden zivilen Opfern, nun ja, zumindest nichts ist, was Applaus verdient.
    Man kann durchaus feministische Positionen unterstützen, ohne sich vorschreiben lassen zu wollen, welche Wortendungen man benutzt.
    Man kann anderer Meinung sein als sein Parteifreund (und durchaus auch nicht-Parteifreund), ohne ihn gleich in Bausch und Bogen zu verdammen.
    Am wichtigsten aber: lasst uns wieder zu unseren Kernthemen zurück finden, mit denen wir einmal Wahlen gewonnen haben, und die einen großen Widerhall in der Bevölkerung gefunden hatten, und lasst uns aufhören, uns auf Nebenkriegsschauplätzen aufzureiben.

    Und noch eines: jeder, der die Partei verlässt, ist ein Verlust. Vor allem, weil schon mal die Vielfalt der Meinungen wichtig ist für uns alle (Politiker, die nur mit Leuten reden, die nur die gleiche Meinung wie sie selber haben, sind vielen aus gutem Grund suspekt), sondern auch, weil es meist die Vernünftigen sind, die zuerst gehen.

    Ich schlage mich lieber mit einem Dutzend Leuten herum, deren Meinung ich nicht teile, als einen zu verlieren, der im richtigen Moment vor einer Dummheit warnt.

    In diesem Sinne: streitet euch, aber bleibt menschlich!

    ag.

    1. Öhm, wer applaudiert denn hier Bombentoten? Und ich dachte es wird der Befreiung vom Nationalsozialismus applaudiert? Diese Differenzierung machen zumindest die Leute, die für diese umstrittene Aktion verantwortlich sind.

      Und klar können feministische Positionen „gut gefunden“ (unterstützen wäre zuviel) werden ohne irgendwelche Konsequenzen daraus zu ziehen. Aber was hat irgendwer davon?

      1. Scheinheiliger gehts wohl kaum noch. Wenn man der Befreiung vom Nationalsozialismus applaudieren will, dann macht man das am 8. Mai und dankt Churchill, Roosevelt und Stalin. Wenn man aber am Jahrestag der Bombardierung von Dresden Arthur Harris dankt, applaudiert man genau dieser Aktion.

        Das hinterher verbrämen und uminterpretieren zu wollen, funktioniert nicht, denn in der Politik kommt es nicht drauf an, was man aussagen will, sondern wie es ankommt. Und das ist bei den meisten schon richtig angekommen, nämlich als das, was es war, Applaus für die Bombardierung. Man kann Leute nicht so einfach für dumm verkaufen.

        Das ganze war geschmacklos, pietätlos, respektlos und was im Sinne von politischer Strategie fast noch wichtiger ist, es war instinktlos. Kein Mensch wählt Leute, die sich wie Elefanten im Porzellanladen aufführen.

  3. Ich bin kein Pirat und beobachte diese Partei seit Jahren von außen. Da ich eigentlich kein Blogger bin, schreibe ich hier einfach mal als Kommentar zusammen, wie sich für mich die Partei entwickelt hat. Diese Ansicht entsteht ausschließlich aus dem, was ich so über die Medien mitbekommen habe. Was tatsächlich innerhalb der Partei abging und -geht, weiß ich nicht. Ich muss nicht verstehen, weshalb welche Meldung im Fernsehen kam, ich muss das auch nicht steuern. Ich bin sozusagen „der Wähler“, um den gekämpft wird.

    Anfangs dachte ich noch „cool, eine Partei, die sich um das Netz kümmert und bei der Basisdemokratie groß geschrieben wird“.
    Dann kamen die Wahlen und immer mehr abstruse Gestalten (mir schwebt ein weit schlimmeres Wort vor) meinten, mit der PP eine Heimat für ihre verdrehten Ansichten gefunden zu haben.
    Zu Netzthemen wurde sich immer weniger geäußert. Wenn ich mal in den Medien was von der PP hörte, dann waren das Meldungen, in denen es um Streitereien ging. „Propaganda“, dachte ich da noch, „die wollen die PP schlecht dastehen lassen bei der Wahl“ – bis ich im Zuge meiner Wahlvorbereitungen (ich gehöre tatsächlich zu den Wählern, die sich noch informieren) auf die Genderdebatte stieß und mit welchen Mitteln sie geführt wurde.
    Um eines klar zu stellen: ich hasse jede Form von Extremismus. Und ich hasse es, wenn mir jemand vorschreiben will, wie ich zu reden habe. Und – wo ich schon dabei bin – ich hasse es, wenn jemand statt mit Argumenten mit Moral daherkommt. Diese Moralkeule wird von unseren Politikern derart gern und oft geschwungen, dass ich jedem, der sie schwingt, schon automatisch unterstelle (nicht immer zu Recht, wie ich gestehe), dass er weniger moralische Ziele verfolgt als er vorgibt.
    Und da, kurz vor den Wahlen, stellt sich auf einmal eine Partei, die sich ein „gedeihlich miteinander“ quasi auf ihre Fahne geschrieben hat, als eine Partei dar, die mir vorschreiben will, dass es keinen „Bäcker“ mehr gibt, sondern nur noch „BäckerInnen“ und dass ich ein Unterdrücker der Frauen wäre, wenn ich das nicht so sagen würde.
    Entschuldigung?!
    Es mag sein, dass ich da was falsch verstanden hatte, aber wenn man Meldungen hört, dass sich eine Rednerin beschwert, ihre Stimme klinge über das Mikrofon quäkig und den Technikern Sexismus vorwirft, dann lange ich mir kurz an den Kopf. Wenn ich dann weiter lese, wie sich die Diskussionskultur – so man das überhaupt noch so nennen kann – entwickelt hat, dann lange ich mir länger an den Kopf und senke mein Interesse an dieser Partei von Spinnern, die sie in meinen Augen mittlerweile geworden ist.

    Heute nun lese ich eine Meldung, dass den stillen Ameisen, die im Hintergrund brav ihre Arbeit verrichten, damit andere hetzen können, der Kragen geplatzt ist. Und prompt kommen Kommentare im Stile von „Was erlauben die sich? Die haben nix zu sagen, sondern das Netz in Betrieb zu halten!“
    Ganz ehrlich: ich bin froh drüber, dass endlich mal jemand ne Reißleine zieht und sagt „So geht’s nicht weiter!“
    Gerade der Verweis auf die Ursprünge und Kernthemen hat sich für mich gelesen, als gäbe es noch echte Piraten irgendwo da draußen – so, wie ich die Piraten zumindest mal verstanden habe. Nämlich als Menschen, die sich um die Freiheit des Netzes, unser aller Daten und die Meinungsfreiheit sorgen. Die eine Diskussion als Austausch von Argumenten verstehen und nicht als Austausch von Beleidigungen.

    Die Piratenpartei sieht sich mehr oder weniger als Partei der jungen Generation, zu der ich mich mittlerweile nicht mehr zähle. Wenn man jung ist, macht man Fehler und schießt gerne über das Ziel hinaus. Dadurch lernt man und wird besser. Oft ist es nötig, dass einem dafür erst einmal der Kopf zurecht gerückt wird.
    Dass es innerhalb der Partei noch Kräfte gibt, die zu diesem Zurechtrücken fähig sind, ist für mich ein gutes Zeichen. Ich hoffe nur, dass die Mehrheit derer, die keine Diskussionskultur besitzen und jetzt mit einem Shitstorm reagieren, auch aufwachen und sich an ihre eigene Nase fassen.
    Denn aus meiner Sicht ist eines klar:
    Wenn die Piraten es nicht auf die Reihe bringen, vernünftig miteinander umzugehen, nimmt sie auch keiner ernst.
    Und ich zumindest wähle niemanden, den ich nicht ernst nehmen kann. Sonst hätte ich schon längst mal lila gewählt…

    Jetzt ist dieser Kommentar tasächlich so lang geworden wie ein Blogbeitrag. Sorry dafür.

  4. Danke aber mit gewaltbereiten Antifa-Radikalen und radikalen Feministinnen hab ich nichts gemein, das ist nicht mehr meine Partei die ich gewählt und für die ich gespendet habe.
    Was Deutschland und Europa fehlt ist eine echte liberale Partei, linke Parteien gibt es mehr wie genug. Wenn Ihr es nicht schafft Euch von den Linksradikalen zu trennen dann seid Ihr für mich und wahrscheinlich für den Großteil der Menschen in Deutschland nicht wählbar (Berlin ist nicht Deutschland und schon gar nicht Europa).
    Schickt die Linksradikalen zur MLDP da gehören sie hin bevor es zu spät ist.
    Solange es Leute wie Anne Helm auf Wahllisten schaffen seit Ihr für mich gestorben so leid wie mir das auch tut.

    1. Anne Helm steht auf der Wahlliste, und die Linksextremen Antifas sind extrem gut vernetzt. Die wieder raus zu bekommen wird ein extrem harter Kampf der wohl nur zu gewinnen ist wenn massiv unter der Gürtellienie gefochten wird.

  5. Es braucht einen Aufstand der Moderaten gegen die Denunzianten und übergriffigen Mobber. Gendernazis, Rechtsaussen, Ex-Microsoft-Lobbyisten, Selbstdarsteller, Harrisfans dürfen gerne in der Partei bleiben, aber sie dürfen nicht ihren Kurs bestimmen. Bestimmen muss wer konstruktiv beiträgt, nicht die Zünder und Krakeeler. Wer von Digitalpolitik keinen Schimmer hat, der sollte eh sich zurückhalten. Wer Jagd auf vermeintliche Nazis oder „Ausländer“ machen will, der kann sich ein anderes Forum suchen. Es braucht einen Aufstand der Anständigkeit gegen die Politsekten, welche die Piraten gekapert haben.

    1. Ich lese da zwischen den ersten paar Zeilen ziemlich laut ‚Delegiertensystem‘ 😉 (und das ist Wowereit. Wenn die bisherige Geschichte der Piratenpartei Deutschland irgend etwas gezeigt hat, dann die Absurdität der Basisdemokratie.)

  6. +9000
    Was denke ich noch fehlt, ist der nicht mehr vorhandene Problemlösungszyklus.
    2009: Problemstellung innerhalb der Gesellschaft -> Lösungsvorschlag.
    2013: Problemstellung innerhalb der Gesellschaft -> Genderdiskussion -> Irgendwaskon -> Gate -> Shitstorm -> andereKon -> Mülleimer.

  7. Ihr habt diese Partei basisdemokratisch gegründet, dann müsst ihr auch ertragen, wenn die neue eingetretenen Piraten die Partei basisdemokratisch umbauen, wenn sie in der Mehrzahl sind irgendwann.
    Gibt also zwei Möglichkeiten:
    Austreten oder akzeptieren!

    1. …Austreten oder akzeptieren…Alles alternativlos…?

      Demokratie ist nicht mehr als Abstimmung?

      Was nützt denn eine Abstimmung, bei der nur Ahnungslose abstimmen?

      Sorry, ohne Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik ist das nur eine Ochlokratie, die Herrschaft des Pöbels…

      1. Der Post war zwar pointiert – oder vielleicht auch polemisch – trifft aber den Kern des Problems. Die Piratenpartei ist mit einem Idealbild von Politik angetreten, dass sich heute als elementarer Webfehler erweist. Daran geht sie nun zugrunde. Parteien sind immer ein Sammelsurium verschiedenster Interessen. Politik ist Kampf. Die Fliehkräfte, die dadurch entstehen sind eine systemimmanente Bedrohung – für jede Partei. Hierarchien, gelenkte Kommunikation, Intransparenz sind ein Mittel, die diesen Kräften entgegen wirken. Die Piraten sind angetreten auf diese Mittel zu verzichten und werden nun regelrecht zerrissen. Wer vor 30 Jahren die Entstehung der Grünen miterlebt hat ahnte das immer. Die Selbstzerfleischung, die Flügelkämpfe, der Absturz raus aus dem Parlamenten. Damals hat der Realoflügel in einem Quasi-Putsch die alten Werte über Bord geworfen und die Macht unternommen. Ob der Realoflügel bei den Piraten dazu noch die Möglichkeiten hat scheint – von außen betrachtet – unwahrscheinlich.

      2. Denken ist echt schwierig…:

        Lest doch einfach mal beim Systemtheoretiker John Gall nach, wieviele Top-Down Systeme bis heute so funktionieren.

        Erst wenn Hierarchieebenen eingezogen werden, ist es möglich eine beliebige Organisation mit WENIGEN Netzwerkern zu kontrollieren.

        Eure Medizin ist das Problem zur Lösung zu erklären. Unfassbar.

        Edward Bernays läßt schön Grüßen.

  8. @Demon 81: Oder 3.: selbst mit-/umgestalten, sich und seine Ideen & Ideale einbringen

    @allgemein:
    Ach ja, Antifas, Autonome, Punks & Anarchos gibts ja nicht nur bei dein Piraten, es gibt sie auch bei den Grünen, den Linken und sogar bei der SPD. Bei den Grünen sind sie sogar lautstärker engagiert. Und bitte nicht Berlin mit dem Rest der Bundesrepublik vergleichen.

  9. Och nee. Die fiesen linkslastigen Social Justice-Fanatiker*innen treiben meinesgleichen aus der Partei, durch Forderungen nach geschlechtergerechter Sprache und klare Kante gegen Nazis! Das muss ein Ende haben! Deswegen übernehmen wir das Ruder, und treiben dann selbst alle aus der Partei die nicht meiner Meinung sind. Denn ich definiere hier, wer die echten Nerds sind. Und diese Linken, die sind nicht von hier, das sind keine Nerds. So wie ich. Aber das ist nur meine Meinung, ich gestehe anderen zu, anders zu denken. Und natürlich brauchen wir mehr Gemeinsamkeit und Zusammenhalt… denn es sind ja immer die anderen, die so einen eigentlich harmonischen Parteiladen spalten. Die paar Widersprüche, die da drin sind fallen dir denke ich selber auf. 😉

    Wie wäre es damit, mal vom hohen Ross runterzukommen und einzusehen, dass das was diverse Menschen so versuchen an Reformen bei euch voranzutreiben durchaus seinen Sinn haben könnte. Über Reformvorschläge zu diskutieren, anstatt sie als Erpressung zu begreifen und so ein ganz klitzefitzebissl Kritikfähigkeit entwickeln? So schrecklich linkslastig finde ich persönlich übgrigens die Piraten aus der Aussenperspektive ja nicht. Leider. 😦

  10. Huhu ballerstaedt,
    gefällt mir sehr gut, was du geschrieben hast. Und einmal mehr bin ich froh, dass ich nicht twitter 😉
    LG Andrea

  11. Schöner Post, aber leider fehlt eine mMn zentrale Erkenntnis: Als Nerd ist man zwar fachlich qualifiziert in Themen wie IT-Sicherheit, Netzpolitik usw., aber nicht in Soziologie, Politologie, Rhetorik, politischem Grabenkampf usw.

    Leider sind das die entscheidenden Kompetenzen in innerparteilichen Auseinandersetzungen. Wer am besten polemisieren, paktieren, koalieren und ausbooten kann, der gewinnt und bestimmt, was im Parteiprogramm steht. Die Leute, die euch gekapert haben, können genau das am besten (und sind dank ihrer Fanatisierung oft extrem einsatzfreudig). Die sind wie Hechte im Karpfenteich, und die Nerds sind die leckeren Karpfen. Nach 10 Semestern Gender Studies diskutiert eine Diplomfeministin jeden Nerd locker an die Wand. Den Erfolg sieht man am besten am Parteiprogramm, statt postgender reproduziert das inwzwischen 1:1 die verzerrte Weltwahrnehmung und die Dogmen des Genderfeminismus, dessen wissenschaftliche Grundlagen (Frauen sind Opfer, das Patriarchat ist an allem schuld, Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, …) hochumstritten sind.

    Wohlwollend ausgedrückt ist es kindliche Einfalt zu glauben, als politologische Anfänger könnte man solchen Polit-Profis Einhalt gebieten.

    Der vorstehende Kommentar von Demon81 könnte kaum zynischer sein: Der Begriff „basisdemokratisch“ suggeriert, daß alle ungefähr gleichstark in der Vertretung ihrer Standpunkte sind. Auch wenn das unhöflich gegenüber den Nerds (die mir sehr sympathisch sind) ist: ihr überschätzt euch. Lest mal Animal Farm, das Problem ist uralt.
    Aber das Zugpferd Boxer scheint ja gerade aufgewacht zu sein… Ich drück euch die Daumen, auch wenn ich wenig Hoffnung habe

  12. Die nach außen zu vertretende – von der Basis demokratisch gewählte – Lösung muss nach außen vertreten werden. Das läuft nicht über ein Forum, eine NEWS auf der HP, sondern auf persönlicher Ebene im Landtag/Bundestag/Ausschüssen/Demos/Veranstaltungen…

    Aber(!) diese – von der Basis demokratisch gewählte – Lösungen „persönlich“ glaubhaft zu vertreten – umso eben auch Wähler zu überzeugen, oder Debatten zu gewinnen, Einsicht zu erreichen (WAS ja Ziel einer erarbeiteten Lösung sein sollte) – ist im Rahmen einer „gesichtslosen“ Partei ist nur bedingt möglich (auch das mussten die Grünen lernen!).

    Und selbst wenn ihr „Gesichter“ habt… Egal wen ihr nach vorne schickt, er muss an die „alten“ Ideale glauben… ebenso wie an die Gender/Gates/Rechts/Links/Selbstprofilierungs-Dummdöddel-Themen…

    Sprich das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen ist zwar gut… vor allem zu wissen wofür man steht… Aber ebenso wichtig ist es genauso vehement zu zeigen wofür man eben nicht steht… (!)

    und wenn die Piraten nun für Bomber-Harris stehen wollen.
    Dann sollten sie so weiter diskutieren… Oder eben eine Parteiausschlussverfahren anstreben… Was das einzig richtige ist!

    Keine Frage, Meinungsvielfalt ist wichtig… Aber man kann als Partei nicht Rechts & Links zugleich sein, nur aus Angst Parteiflügel oder Wählerstimmen zu verlieren!! Denn die profillose Politik mag heute im Zuge des „Merkelitantismus“ noch gut angekommen, aber in baldiger Zukunft Probleme schaffen die keine Partei mehr lösen und kein Mensch mehr verhindern kann.

    Dagegen müsst ihr was tun!
    Fuck the IT (um jemanden zu zitieren)! Nicht die macht eure Politik sondern ihr als Ganzes (und nicht 0,003% der Partei!).

    Kernthemen definieren und vertreten…
    Merkelitantismus abschaffen – Kanten zeigen
    Sich von den Extremen AKTIV trennen um dem Volk zu zeigen wofür man als Partei steht.

  13. Danke Jens,

    wir tragen alle die Verantwortung das diese *Leisen* nie wieder überhört werden. Jedem immer wieder auf ein neues den Mut geben sollten sich zu Wort zu melden, um Mobbing, Diffamierung etc. und sonstiger Unterdrückung entschieden entgegen zu treten. Ein wichtiger Schritt dahin ercheint mir wieder zur absoluten Transparenz in unseren Gremien, wie BuVo, LaVos usw. zurückzukehren.

    BG

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