Die GEMA und der Fussball

Als die Vorläufer der GEMA, GDT und AFMA, 1903 gegründet wurden war das durchaus eine gute Idee. Als die Möglichkeiten der Musikreproduktion Verbreitung fanden hatten viele Autoren und Komponisten das Problem, dass ihre Dienste ab dem Zeitpunkt der Aufzeichnung kaum noch gebraucht wurden. Mit zunehmender Geschwindigkeit verbreiteten sich erst Schellack-Platten und Grammophone, dann das Radio, Fernsehen, Diskotheken und heute schliesslich MP3 und das Internet. Dadurch wurde es für den einzelnen Künstler praktisch nicht mehr nachvollziehbar wann und wo seine Werke gespielt wurden. Um diesem Umstand gerecht zu werden wurde die GEMA gegründet. Veranstalter und Sender die sich musikalischer Werke bedienten mussten und müssen dies bei der GEMA unter Nennung der verwendeten Stücke anmelden und dann abhängig von Eintritt und Anzahl der Zuhörer Gebühren bezahlen. Von diesen Gebühren wurden dann die Künstler bezahlt und zwar jedes Mal wenn eines ihrer Stücke gespielt wurde. Soweit so Gut.

Mit den Jahrzehnten baute sich allerdings ein gigantischer Verwaltungsapparat auf und inzwischen ist es so dass ein Großteil der erhobenen Gebühren dieser Apparat selbst verschlingt. Man hat also entdeckt, dass das erheben der Gebühren selbst ein gutes Geschäft geworden ist von dem man prima leben kann. Und wie Menschen nunmal so sind versuchen sie diesen Gewinnanteil zu erhöhen. Immer und immer mehr entfernt sich die GEMA von ihrem eigentlichen Daseinsgrund.

Die neuste Stilblüte der GEMA ist folgende:

Irgendein treuer Schreibtischtäter saß wohl eines Nachmittags in seinem Büro und dachte darüber nach wie man denn noch mehr Geld machen kann. Einer seiner Kollegen hatte vor kurzem den Coup gelandet die bei Großveranstaltungen erhobenen Gebühren rund zu vervierfachen. Und dieser hatte jetzt wahrscheinlich ein größeres Büro und das will unserer getreuer GEMA-Scherge auch haben. Er zermartert sich den Kopf. Stunde um Stunde. Tag um Tag. Und dann in einem Augenblick diabolischer Genialität überkam es ihn. Wie kann es sein, dass noch niemand vor ihm aus die Idee kam beim größten Event dieses Jahres abzukassieren. Der Fußball-EM in Polen und der Ukraine. Jetzt fragt sich der geneigt Leser sicherlich. Fußball-EM? Ich mein, was hat das denn mit der Idee der GEMA zu tun? Gut. Es gab den ein oder anderen singenden Fußballspieler. Beckenbauer mit seinem unvergesslichen Lied „Echte Freunde kann niemand trennen“ zum Beispiel. Doch kann das wirklich der offiziell vorgeschobene Grund sein?

Nein ist es nicht.

Zitat: “Dabei (der Übertragung der Fußball EM (Anmerkung)) werden die rund um die Wettkämpfe übertragenen Musikwerke, wie zum Beispiel der EM-Song und die Nationalhymnen, öffentlich wiedergegeben. Auch die Kommentare der Reporter sind urheberrechtlich geschützt.“

Die Hymnen und die Kommentare? Ich bin ernsthaft überrascht.

Die Bundesdeutsche Nationalhymne kann meines Wissens nach GEMA-frei wiedergegeben werden. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber ich bezweifle ernsthaft, ob den noch nicht verstorbenen Autoren und Komponisten der anderen Hymnen nach der EM ihr Anteil an der Beute, Verzeihung, den Gebühren überwiesen wird. Auch bleibt die Frage offen, ob es teurer wird, wenn die Fußballer den Text ihrer Hymne mitsingen, weil dann ja nicht nur die Melodie, sondern auch die zu Grunde liegenden Gedichte vorgetragen werden. Und mal im Ernst… Die Kommentare? Wirklich? Weiss Jörg Wontorra davon, dass seine Kommentare als künstlerisches Erzeugnis gelten? Gut. Von Gerd Rubenbauer kamen damals wirklich tolle Sprüche aber das geht ja nun deutlich zu weit.

Fazit: Irgendwer MUSS im Gebäude der GEMA etwas ins Trinkwasser getan haben. Anders kann ich mir die geplante Gebührenneuordnung und die EM-Stilblüte nicht erklären. Jede Gastronomie die Musik oder Fernsehbilder zeigt muss bereits eine Jahrespauschale zahlen. Jetzt nur weil es sich gerade so ergibt weitere Gebühren zu erheben ist mindestens frech.

Wer übrigens etwas gegen die geplante Gebührenneuordnung unternehmen möchte, hier der LINK zur Online-Petition. http://openpetition.de/petition/online/gegen-die-tarifreform-2013-gema-verliert-augenmass

Auf Bald

Der Ballerstaedt

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Ein Gedanke zu “Die GEMA und der Fussball

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